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10. August 2012 beginnend um 18 bis 12. August 2012 um 16
Eine äußerst bemerkenswerte Erkenntnis der Meditationsforschung ist, dass das Gehirn nicht nur durch das Erlernen praktischer Fähigkeiten, sondern auch durch rein mentale Prozesse dauerhaft physisch verändert werden kann. So sind die Gamma-Oszillationen bei langjährig Meditierenden auch dann erhöht, wenn sie nicht meditieren. Forscher der Harvard-Universität wiesen zudem nach, dass die Großhirnrinde bei Menschen mit großer Meditationserfahrung zunimmt – und zwar ebenfalls in Bereichen, die "für kognitive und emotionale Prozesse und Wohlbefinden wichtig sind", wie die Psychologin und Forschungsleiterin Sara Lazar
feststellte.
Nicht Klavier lernen – sondern positive Emotionen
Eine erst vor kurzem veröffentlichte
Studie von Davidson und Lutz enthüllt, auf welch ungewohnte Weise die Beeinflussbarkeit des Gehirns durch den Geist genutzt werden kann. Die Wissenschaftler stellten fest, dass in der "Meditation des Mitgefühls" erfahrene Menschen sehr viel stärker auf äußere emotionale Signale reagierten als Meditations-Neulinge – und zwar in Gehirnbereichen, die zuständig sind für die Entschlüsselung eigener und das Erkennen fremder Emotionen. Die Folgerungen der Wissenschaftler sind weitreichend: Positive Emotionen wie Glück und Mitgefühl könnten ebenso erlernt werden wie beispielsweise ein Instrument oder eine Sportart. "Wir können die Plastizität unseres Gehirns zu unserem Vorteil nutzen und ihm beibringen, diese (positiven) Qualitäten zu verstärken", sagte
Davidson.
Die aktuelle Untersuchung der Neurowissenschaftler erlaubt zudem interessante Einblicke in den Zusammenhang von individuellem Empfinden und Gehirnvorgängen: Denn es zeigte sich, dass die subjektiv empfundenen Veränderungen während der Meditation mit der Stärke der gemessenen Hirnaktivität übereinstimmten.
Wolf Singer , als Direktor am Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main einer der führenden deutschen Neurobiologen, zeigt sich beeindruckt von der Arbeit der amerikanischen Kollegen:
"Solche Korrelationen zwischen bio-physikalischen Maßen und subjektiver Empfindung sind besonders wertvoll. Wenn sie, wie in diesem Fall, statistisch hochsignifikant sind, wird es wahrscheinlich, dass es sich um kausale Beziehungen handelt und nicht nur um zufällige Übereinstimmungen. Soweit ich das Feld überblicke, sind dies die robustesten und überzeugendsten Hinweise darauf, dass Meditation mit spezifischen Hirnzuständen einhergeht und dauerhafte Modifikationen von Hirnfunktionen bewirkt."[2]
Automatisiertes Bewusstsein
Davidson und andere unmittelbar an der Meditationsforschung beteiligte Neurowissenschaftler sehen sich aufgrund ihrer persönlichen Beziehung zum Buddhismus und ihrer Nähe zum vom Dalai Lama mit ins Leben gerufenen
Mind & Life Institute von Kollegen zum Teil der Kritik ausgesetzt, ihr Glaube und ihre Wünsche würden die Ergebnisse ihrer Experimente
mitbestimmen.
Diesen Vorwurf kann man Singer sicherlich nicht machen – auch wenn er in einem gerade erschienenen Buch mit
Matthieu Ricard, einem buddhistischen Mönch und studierten Molekularbiologen, der seit fast zwei Jahrzehnten als Französisch-Übersetzer für den Dalai Lama tätig ist, über den Zusammenhang von Meditation und neurobiologischen Erkenntnissen spricht.
Singer zeigt sich darin fasziniert von den Ergebnissen der Meditationsforschung und den Ausführungen Ricards: Der buddhistische Mönch stellt nachvollziehbar dar, dass komplexe Situationen und starke Emotionen mit einem geschulten Geist, der Bewusstheit quasi automatisiert hat, sehr viel müheloser zu meistern sind als mit einem untrainierten, dass also – wie es Singer ausdrückt – Meditation als "Fahrschule für die Bewältigung emotionaler Konflikte"[3] dienen kann.
Freier Wille als erlernbare Fähigkeit
Doch trotz seines Interesses ist Singer bestrebt, die Diskussion stets auf bekannte neurologische Phänomene zurückzuführen. So vermutet er – im Gegensatz zu Ricard -, dass es durchaus Grenzen für die qualitative Entwicklung des Geistes durch mentales Training gibt: Wenn alle Neurone in der entsprechenden Struktur mit maximaler Frequenz feuerten und diese Entladungen perfekt synchronisiert seien, sei "keine weitere Steigerung der Wirksamkeit dieser Aktivität vorstellbar", stellt er mit dem nüchternen Blick des Wissenschaftlers auf die bis jetzt gewonnenen Erkenntnisse fest.[4]
Zudem wirft Singer die Frage auf, ob vergleichbare Wirkungen wie bei der Meditation nicht auch durch andere Methoden erzielt werden können – Methoden, die der westlichen Gedankenwelt vielleicht näher stehen.
Ungelöst bleibt Singer zufolge auch das Paradox, "wie wir uns das kontrollierende Ich vorstellen, das willentlich versucht, just das Organ zu verbessern, dem es sich verdankt"[5] . Und auch darüber, woher es die Motivation dafür nehme, sich selbst zu verändern, könne man im Moment nur spekulieren. Denn nach Ansicht Singers gibt es kein vom Gehirn unabhängiges
Bewusstsein .
Meditationsforscher Davidson zeigt sich hingegen sehr selbstbewusst, was die Implikationen seiner Untersuchungsergebnisse angeht: "Was meine Arbeit nahe legt, ist, dass unsere Kapazität, freien Willen zu erfahren, eine Fähigkeit ist, die – zumindest in einem gewissen Ausmaß – durch Training erreicht werden kann", sagte er einem
Reporter. Barbara Galaktionow 18.05.2008
Original Artikel: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27939/1.html
Tags: Bewusstsein, Entwicklung, Gehirn, Meditation, Mönch, Yoga
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Permalink Kommentiert von Shivapriya (Sangini) am 11. Juni 2008 um 8:11pm
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Permalink Kommentiert von Ulrich Storz am 18. Juni 2008 um 3:11pm
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