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Ich...

... singe lautstark beim Autofahren, muss also durchgeknallt sein
... meide Small-Talk, muss folglich ein Langweiler sein
... ändere regelmäßig Haarschnitt und Bart, habe mich selbst demnach noch nicht gefunden
... habe studiert, muss arrogant sein
... tanze auf der Strasse, muss demnach extrovertiert sein
... rede meist nicht viel, habe also keine eigene Meinung und nichts mitzuteilen
... trage Kleidung mehrere Jahre, muss also entweder arm oder ohne jegliches Stilempfinden sein
... spiele gerne Computer und Online-Spiele, kann somit wohl keine realen Freunde haben
... genieße Aufmerksamkeit und Anerkennung, es muss mir an Selbstwertgefühl mangeln
... betrachte gerne Schönes, muss also oberflächlich sein
... dusche nie kalt, muss ein Weichei sein

... bin ein Mensch unter Menschen, daher muss ich wohl zwangsläufig in Klischees und Rollenvorstellungen gepresst werden.


Im Umgang mit unseren Mitmenschen erfüllen wir stets Rollen. In der Familie ist man der treue und starke Rückhalt, der eigensinnige Rebell. Im Beruf der kreative Macher, die impulsive Diva.
Doch mein Sein endet nicht mit den Grenzen fremder und eigener Rollenbilder.
Und nicht immer gefällt mir die Schublade, in die ich von meinem Umfeld gesteckt werde.
Gleichzeitig ist mir bewusst, dass ich oft ebenso mit meinen Mitmenschen umgehe und noch schlimmer, mir selbst Masken aufsetze, mir immer wieder selbst Etiketten aufklebe.
Um zu gefallen, dazu zu gehören, durch den Blick der anderen oder die Maske selbst definiert zu werden.
Eine feste Rolle bietet Richtlininen, welche es uns einfacher machen, uns selbst eine Definition zu geben, uns zu Mitgliedern einer bestimmten Gruppe machen.
Wir versuchen die Erwartungen zu erfüllen, welche mit dieser Maske verknüpft sind, auch wenn sie uns nicht immer entsprechen, weil wir dadurch Anerkennung, Rückhalt und Gemeinschaft erfahren.
 
Für mich stellen dies äußere Sicherheiten dar. Sie umgeben uns wie ein Schutzwall, der uns jedoch gleichzeitig vom Sonnenlicht abschirmt und uns -viel wichtiger- nur sehr wenig Raum für Wachstum lässt.
Innere Sicherheit hingegen ist wie ein Stützgerüst, ein Fundament, dass uns den Rückhalt gibt, um über uns selbst hinaus zu wachsen.
Je mehr wir die aufgezwungenen und selbst gewählten Masken ablegen und uns nicht ständig selbst mit neuen Etiketten versehen, desto wahrscheinlicher ist es, dass wir in der Lage sind, die äußeren Abhängigkeiten und vermeintlichen Sicherhieten abzulegen,
und statt dessen unsere eigene, innere Sicherheit aufbauen.

Was hat das nun konkret mit Yoga zu tun?
Sehr viel, oder eigentlich sogar alles:
Für mich entsteht innere Sicherheit aus der Erfahrung "Ich bin Ich". Und ist nicht gerade die Suche nach diesem wahren, unmaskierten Selbst Yoga?
Doch werden einem auch als Yoga-Praktizierendem gerade von anderen Yogi/nis Bilder aufprojeziert, und auch ich habe selbst unwillkürlich Vorstellungen und Erwartungen, was eine/n "wahren" Yogi/ni ausmacht.
Aber wie können wir uns bei der Suche nach unserem wahren Selbst durch fremde Definitionen und eigene Erwartungen einschränken?
Und warum erliegen wir immer wieder der Illusion, den richtigen Weg zu kennen, und meinen diesen, wenn auch mit besten Absichten, anderen aufzwingen zu müssen?
Gibt es denn überhaupt DEN richtigen Weg des Yoga?

Der Lehre des Dharma folgend hat jeder Mensch seine individuelle, einzigartige "Lebenslandschaft", in der sein Lebensweg verläuft.
Und da keine Landschaft wie die andere ist, wird der Weg auch für keine zwei Menschen identisch sein.
Die Marschrichtung, welche mich auf einer idyllischen Route direkt zur Erfüllung führen mag, kann in deiner Landschaft unter Umständen direkt in den nächsten Sumpf weisen.
Du  kämst ja sicherlich auch nie auf die Idee, mit meiner Wanderkarte für den Schwarzwald im Himalaya auf Tour gehen zu wollen.

Als Folge kann es nach meinem Verständnis nicht DEN einen Weg geben, sondern stets nur MEINEN,DEINEN, einfach jedem SEINEN/IHREN richtigen Weg.
Ich denke, man selbst definiert sein Yogatum - und das, indem man es lebt, nicht indem man einem vorgefertigen Schema, einem starren Weg folgt.

 

In diesem Sinne werde ich wohl auch morgen wieder besonders inbrünstig beim Refrain von Fleetwood Macs "Go your own way" mitsingen...Namasté Euch allen!

Tags: Dharma, Freiheit

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Antworten auf diese Diskussion

Schöner Bericht! Danke für´s Teilen!

Namasté

Toller Bericht,

auch ich singe....aber auf dem Rad :-)

(täglich) Gruss Uma

Danke für Eure Antworten.

@Uma:

:-)

Singen hat für mich einfach was ungemein Befreiendes und ist zugleich irgendwie "intim"...mit jemandem gemeinsam singen zu können war für mich schon immer ein Zeichen tiefer Verbundenheit.

Wie heißt es so schön: Wo Worte versagen, dort beginnt Musik.

 

Gruß

Sven

 

 

 

 

Toller Beitrag:-)

Ich versuche mich täglich darin, Dinge und Personen nicht zu bewerten. Nimm wahr, aber beurteile nicht. Beobachte, aber bewerte nicht.

Das ist, glaube ich, eine Lebensaufgabe:-))

Unweigerlich bewertet man ständig. Schubladendenken ist so in unserem Hirn verankert, das es schwer ist, dies abzuschalten. Schlussfolgerungen und Unterstellungen tun ihr Übriges.

Ich bin in jungen Jahren (mit 12) mal so auf die Nase gefallen, damit, dass ich es ein Leben lang nicht vergessen werde:

Eines Tages sollte ein neuer Mitschüler in unsere Klasse kommen. Die Tür ging auf und es kam ein älterer (14) Schüler rein (- > war uns allen klar, ein "Sitzenbleiber"), Bomberjacke, lange fettige Haare, stank nach Rauch, hatte eine Warze im Gesicht  - > furchtbar! Ausgerechnet nur neben mir war gerade ein Platz frei und so wurde er auf diesen verwiesen. Fies wie ich war, rückte ich demonstrativ meinen Stuhl zur Seite und zeigte so ganz klar Abneigung, unterstützt von den mitleidig blickenden Mitschülern. Aber: Diese Junge streckte mir dennoch ganz höfflich und nett seine Hand entgegen, stellte sich mir mit einem Lächeln vor und war völlig unbeeindruckt von meinem Verhalten. Es dauerte nur wenige Tage und wir wurden tatsächlich richtig dicke Freunde. Es stellte sich nämlich heraus, das hinter dieser Fassade ein ganz lieber, freundlicher, hilfsbereiter, kluger Junge steckte! Ich hab mich so geschämt für mein Verhalten und das hat sich mir tief eingeprägt.

Seit diesem Tag versuche ich jedem vorurteilsfrei zu begegnen.

Dennoch ertappe ich mich immer wieder dabei, wie man Verhalten oder Aussehen anderer falsch interpretiert........

Hallo ShivaDiva,

ich danke Dir herzlich für Deine nette vor allem offene Rückmeldung.

Sehe es ebenso wie du als lebenslange Aufgabe...an der ich auch oft genug scheitere...wir sind einfach soo extrem an das Schubladendenken gewöhnt...egal wie offen man sein will.

Hab gerade ne gute Idee:

Eventuell sollten wir uns einfach mal eine riesige Schublade zulegen mit:

"Mensch - Unendliches Potential".

In die können wir dann ja wirlich alle packen :-)

Somit wär unserem Denkschema Genüge getan und wir würden uns und den anderen dennoch nicht einschränken.

Liebe Grüße an alle und danke nochmals für die netten Rückmeldungen

Sven

Hallo Sven,

wenn du so schreibst kommt man schnell auf den Gedanken das du dich oft in Rollen bringst,

die du gar nicht gehen möchtest. (Du weist was ich damit meine.)

Dann fragst du Dich, wieso dich die anderen, mit dir das gleiche tun, wie du das gleiche mit Dir machst.

Gehe einfach den Weg, soviel Wahl haben wir nicht, gehe den Weg der Dir Freude macht !

(Dann wird sich alles lösen und wirst klar)

Alles ist von jeher Frei 

Grüße

Hallo Ratna,

Alles ist von jeher frei

das gefällt mir - danke dir dafür.

Grüße

Sven

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