Hallo alle,
ich habe keine Erfahrung mit Seniorenyoga und frage mich daher, welche Asanas in so einem Kurs für Senioren praktiziert werden können.
Ich habe in letzter Zeit versch. ältere Damen und Herren mit 60+ im Studio beobachtet, die sichtlich Schwierigkeiten hatten, die "einfachsten" Übungen auszuführen und auch die Übungen zu koordinieren. Also wie im Hund Knie beugen, strecken zum Aufwärmen, Hüfte bewegen, im Krieger Arme nach vorne (statt zu Seite) oder Sonnengruß, Utthita Trikonasana, etc. Also keine Verrenkungen. Und nach 15 Minuten war Schluss. Sie hatten sich wohl übernommen.
Deshalb frage ich mich, wie sieht eine Seniorenklasse aus? Wie geht man vor? Welche Asanas werden geübt? Wie lange in einer Position, wie lange dauert die Einheit?
Habt ihr da Erfahrungen? Danke für eure Inputs.
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Hallo YogaYana,
eine sehr interessante Frage.
In der Zeitschrift "Yoga! Das Magazin" findest Du einen Artikel über Seniorenyoga, den ich geschrieben habe. Vielleicht ist er für Dich interessant?
http://www.hatha-yoga-entspannung.de/images/PDF/achtsam.pdf
Viele Grüsse
Ursula
Permalink Kommentiert von Cordula am 21. Juli 2011 um 1:49pm Hm ... na ja, ich kann mir noch immer nicht vorstellen, wie so eine Seniorenstunde aussieht. Es gibt ja auch ältere TN, die durchaus in der Lage sind mitzumachen aber wie geht man jenen um, die völlig unbeweglich mit Yoga beginnen wollen und nach 15 Minuten bereits w.o. geben. Da muss es doch spezielle Abwandlungen geben? Oder gibt es einen Yoga-Stil, der für diese Gruppe besonders geeignet ist?
Wenn du schreibst, die Stunde ist individuell dann frage ich mich auch, wie die unterschiedlichen Einschränkungen unter einen Hut zu bringen sind?
Liebe YogaYana,
ja, es gibt viele Abwandlungen für Menschen, die wenig beweglich sind.
Schon als ich nach meiner ersten Yogalehrer-Ausbildung in die Praxis ging, fiel mir auf, dass die meisten Menschen (auch Junge) die klassischen Yogahaltungen nicht ausführen können. Das ist aber auch ganz normal, denn wir können nicht davon ausgehen, dass alle Sport treiben und beweglich sind wie Inder.
Deshalb habe ich versucht, die Übungen abzuwandeln. Später habe ich auch Senioren unterrichtet und bin mit einer dynamischen Übungsweise, in Verbindung mit der Ein- und Ausatmung, also ausatmend in die Vorbeuge, einatmend in die Rückbeuge usw. sehr gut zurecht gekommen, weil diese Übungsweise sehr sanft ist und die Gelenke schont. Mit den Jahren habe ich gelernt, welche Übungen machbar sind im Alter und welche nicht. Dazu musste ich mich ausgiebig mit Anatomie und dem "Älterwerden" beschäftigen.
Was fast immer geht, sind Übungen im Stand im Wechsel mit Übungen auf dem Stuhl und am Schluss eine Liegeentspannung (Savasana). Ich sage bewusst "Übungen" nicht Haltungen, da ich mit Senioren nie lange Haltephasen übe. Die Knochen können sehr schnell brechen auch schon bei leichten aber ungünstigen Belastungen. Viele haben auch künstliche Gelenke und dann sollte man als Lehrerin wissen, welche Bewegungen solche Gelenke aushebeln können oder was ein zu hoher Blutdruck anrichtet in Umkehrhaltungen!!!.
Ich würde also raten, eher Hände weg von Senioren, erst eine Fortbildung machen oder viel lesen und nach und nach vereinfachte Übungen mit Menschen im mittleren Alter erst mal ausprobieren. Viel Rückmeldungen geben lassen.
Hier noch eine Buchempfehlung: "Yoga auf dem Stuhl", Edeltraud Rohnfeld, Vianova,
Wenn Du sehr vereinfachte Yogaübungen anbietest, z.B. ardha matsyendrasana vereinfacht auf dem Stuhl sitzend, dann drehen sich die Senioren ausatmend nach links und halten sich mit den Händen an der Stuhllehne fest und kommen einatmend wieder zur Mitte, ausatmend nach rechts usw. Dabei achten sie darauf ganz gerade zu sitzen und ihren Atem zu vertiefen..... Du kannst dann viel Wert auf die Körpererfahrungen legen und die Gedanken so auch sehr gut beruhigen. Auch diese Übung können fast alle über 60. Sie drehen sich ja nur so weit, wie sie können und gehen nur 80% an ihre Grenzen. Selbst wenn sie im Rollstuhl sitzen und nur noch die Arme, den Kopf und die Augen bewegen, können sie Yoga üben. Denn Yoga ist bewusstes Tun. Es gibt auch viele schöne Augen-Yoga-Übungen für Senioren. Also sie können alles üben, was ihrem schmerzfreien Bwegungsvermögen gut tut. Und noch was, viele Kissen, Decken, Hocker, Blöcke, Bänkchen...anbieten zum Unterlegen, Abpolstern, Festhalten ....Also in kleinen Gruppen üben. Am Anfang Lockerungs- und Aufwärmübungen, dann wenige Asana-Abwandlungen anbieten , dafür mehr Zeit zum Spüren geben. Schlussentspannung... Philosophiethemen, auch ganz wichtig, denn sie haben eine reiche Lebenserfahrung. Jedenfalls macht das Yoga-Üben mit Senioren ganz viel Freude. Denn sie sind sooooo dankbar und lustig, wie Kinder!
Leider kann ich Dir hier in Kürze nicht so viel zu diesem sehr umfangreichen Thema sagen, am besten, Du lässt Dir Zeit und wächst so langsam in das Thema hinein, denn Du brauchst viel Einfühlungsvermögen für Menschen über 60. Geh doch mal in einen Yogakurs für ältere Menschen hospitieren! Es gibt doch sicher viele Yogalehrer in Deiner Nähe, die Ältere unterrichten und von denen Du lernen kannst?
So, ich hoffe, ich konnte Dir ein wenig weiterhelfen und würde mich freuen, wenn Du das Thema im Auge behältst, und Dich irgendwann daran wagst. Denn wir werden alle älter!.
Ganz liebe Grüsse
Ursula
Permalink Kommentiert von Cordula am 21. Juli 2011 um 8:39pm Liebe Ursula, vielen Dank, das hat mir einen guten Einblick gegeben. Tatsächlich gibt es hier kein großes Angebot an solchen Kursen, dass ich mal hingehen könnte.
Ich plane keine Seniorenkurse. Meine Frage war mehr aus Interesse, weil mir eine Teilnehmerin besonders leid getan hat, da sie kaum was mitmachen konnte. Aber sich unbedingt etwas Gutes tun wollte. Und sie war voller Traurigkeit, das mir die Situation auch nahe gegangen ist.
Und da habe ich mich gefragt, was für sie und solche Menschen das Richtige wäre. Aber ich werde mich näher damit beschäftigen.
Vielen Dank.
Alles Liebe
Hallo YogaYana,
es ist natürlich leichter eine reine Ü60 Gruppe zu haben, als Einzelne in einer gemischten Gruppe. Hier hilft Dir nur ein persönliches Gespräch mit der Betreffenden (allein, ohne die Anderen!). Spreche sie darauf an, wie sie sich fühlt (überfordert oder besonders beachtet auf Grund ihres Alters, was sie an Erkrankungen mitbringt) und vermittle ihr das Gefühl, das sie auf keinem Fall dem Gruppenzwang erliegen soll und Du dir Deiner Verantwortung bewußt bist, wenn sie hier mitmacht.
Du solltest meiner Meinung nach, nicht die ganze Gruppe unter der Unbeweglichkeit der Älteren "leiden" lassen, sondern solltest versuchen, die Übungen für die Seniorin entsprechend für sie abzuändern und anzubieten. Unbedingt mit dem Hinweis darauf, das es nicht Sinn der Sache ist, das sie mit mehr "Schäden, Schmerzen" aus dem Unterricht hinausgeht, als sie gekommen ist, falls sie Probleme hat die "Sonderbehandlung" anzunehmen. Biete ihr einen Stuhl an (bräuchten andere vielleicht auch!). lass sie sich öfters hinsetzen und ausruhen. Ändere Bodenübungen für sie ab. Viele haben große Probleme beim Aufstehen, wenn sie auf dem harten Boden liegen.
Im übrigen, wenn es ihr gar nicht in der Gruppe gefällt, erledigt sich das meistens von selbst, da sie aufhören. Auch das ist eine Entwicklung, die wir als Yogalehrer akzeptieren müssen. Das Gleiche gilt für die angebotenen Alternativen für ein Asana. Die Erkenntnis, das manche Teilnehmer annehmen und Erkennen, das es gut so für sie ist und solche, die sich ungemein bevormundet fühlen und sich lieber quälen. Bei solchen Menschen höre ich dann auf, Alternativen anzubieten und verweise auf die Eigenverantwortung beim Üben hin.
Viel Erfolg beim Unterrichten mit gemischten Gruppen
wünscht Gabriele, Regine.
P.S. Selbstverständlich habe ich eine Berufshaftpflicht.
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