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Verwirrung über die Konzepte im Vedanta / Samkyha / Tantrismus...

Hallo zusammen

Ich widme mich grad einer Lektüre, die mich ziemlich verwirrt zurücklässt. Dies u.a. weil es um nachfolgende Inhalte geht:

Im Vedanta gibt es das Konzept von Advaita (Nicht-Zweiheit), in der alles auf Brahman zurückgeführt wird. Im Samkhya gilt das Konzept von Dvaita (Zweiheit), mit den Prinzipien der Purusha und Prakriti, es gibt kein vergleichbares "Bild" wie Brahman, auf den alles zurückzuführen ist. Im Tantrismus gilt als der Urgrund Shiva, der aus sich heraus Shakti erschaffen hat damit Schöpfung geschehen kann. Es basiert auf der Nicht-Zweiheit.

Hab' ich das so ultrakurz zusammengefasst in etwa korrekt "verstanden"?

Im Text werden die fünf Koshas beim Konzept der Vedanta aufgeführt, jene der Gunas unter Samkhya. Gelten Gunas den nur unter dem Blick von Dvaita und Koshas in der Nicht-Zweiheit, oder wie oder was...

Wie bekomme ich das "alles" den nun unter einen Hut? Was ist die Folgerung dieser Aussagen? Gilt es sich für ein Modell zu entscheiden und die anderen ausser Acht zu lassen, oder mische ich zusammen? Ich stehe grad extrem auf der Leitung und hab' nur noch Fragezeichen???

Gibt es denn bestimmte Yogarichtungen, die sich aussschliesslich auf ein bestimmtes Modell ausrichten?


Bin sicher, dass es hier einige gibt, die meine momentane Verwirrung entwirren können. Danke euch im Voraus und schicke sonnige Grüsse,

Corina



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Hallo Corina,

so ultrakurz ist das nicht falsch - die Frage ist nur, ob es Dir in dieser Form nutzt.

Vielleicht entsteht Deine Verwirrung dadurch, dass es keine einheitliche indische Philosophie gibt, sondern mehrere orthodoxe Philosophiesysteme, und daneben noch einige Systeme, die nicht zu den orthodoxen zählen:

"Es gibt sechs klassische indische Philosophieschulen oder Darshanas: Samkhya, Yoga, Vedanta, Mimamsa, Nayaya und Vaisheshika. Diese gelten deswegen als orthodox, weil sie alle die grundlegende Autorität des Veda uneingeschränkt anerkennen. Dabei ziehen die verschiedenen Schulen aus den vedischen Texten allerdings unterschiedliche Schlußfolgerungen und entwickelten eigene Heilswege, die den Menschen vom Leiden befreien sollen. Der Begriff „Darshana“ bedeutet „Ansicht“ und drückt aus, daß die sechs Schulen unterschiedliche Ansichten der einen, allumfassenden Wahrheit des Veda sind, daß diese Wahrheit aus sechs unterschiedlichen Perspektiven betrachtet wird, die aber alle ihre Gültigkeit haben. (...)Von diesen sechs Darshanas sind heute noch drei von Bedeutung und miteinander verwoben. Diese sind Yoga, Vedanta und Samkhya (...)

Obwohl es unterschiedliche Yogasysteme gibt, wie Hatha-, Raja-, Bhakti-, Laya-, Karma-Yoga und andere gelten dennoch die Yoga-Sutras des Patanjali, die den Raja- oder Ashtanga-Yoga darlegen, als das Standardwerk für alle Yoga-Wege. In seinen Sutras weist Patanjali dem Yoga-Schüler einen Weg auf, um alle Bedingtheiten und Leiden zu überwinden und einen Zustand unbedingter, höchster Seligkeit zu erreichen, indem der Yogi in seiner eigenen Wesensnatur ruht. Beim Yoga handelt es sich um einen prakti-schen, gestuften Übungsweg, der den Schüler schrittweise über acht Hauptstufen zu seinem Ziel hinführt. Es wird von der Existenz Gottes (Ishvara), individueller Seelen (Purusha oder Atman) und der Möglichkeit der Befreiung (Nirvikalpa Samadhi, Moksha) ausgegangen.

Samkhya ist das von Kapila begründete dualistische Darshana. Er geht von der ewigen Trennung der Bereiche des Bewußtseins (Purusha) und der Materie (Prakriti) aus. Die Purushas sind dabei jeweils vollkommen immaterielle, individuelle Bewußtseinsentitä-ten, von denen es soviele gibt, wie es verschiedene Wesen gibt. Unter dem Einfluß von Purusha, aber ohne dessen direktes Einwirken, entfaltet sich die zunächst undifferen-zierte Urmaterie oder Prakriti. Damit beginnt die stufenweise Evolution des Univer-sums, vom feinstofflichen bis zum grobstofflichen. Der Purusha bleibt allerdings von dieser Evolution vollkommen unberührt, er ist ein unbeteiligter Zeuge, der zu einer ontologisch anderen Kategorie des Seins gehört. Der Samkhya gilt als die philosophische und theoretische Grundlage des Yoga. Tatsächlich entstammen viele der im Yoga verwandten Begriffe dem Samkhya. Es gibt allerdings auch einige bedeutende Unterschie-de. Zu diesen zählt die Annahme eines höchsten Wesens im Yoga, Ishvara, der als ein besonderer Purusha beschrieben wird, der keinen Begrenzungen hinsichtlich, Wissen, Macht, Reinheit etc. unterworfen ist. Außerdem ist der Yoga weniger dualistisch als der Samkhya, denn er sieht einen stufenweisen Entwicklungsweg vor, auf dem das zuvor in der materiellen Welt gefangene Individuum sich befreit und schließlich spirituelle Vollkommenheit erlangt. Es gibt also keine absolute Trennung zwischen Bewußtsein und Materie, da sonst kein Entwicklungsweg von einem Bereich hin zum anderen stattfinden könnte.

Der Vedanta schließlich beruht auf den Lehren der Upanishaden. Er ist die heute am weitesten verbreitete philosophische Schule, und viele heutige Yogis sind gleichzeitig bekennende Vedantins. So hat z.B. Swami Sivananda in Rishikesh die „Yoga Vedanta Forest Academy“ gegründet, die bis heute Yoga und Vedanta lehrt und die Quintessenz beider Darshanas miteinander verbindet. Die wichtigsten vedantischen Texte sind erst nach den Yoga-Sutras entstanden. Somit ist es offensichtlich, daß die klassischen Yoga-Schriften keine Begriffe des Vedanta verwenden, weil diese erst später niedergeschrieben wurden. Der Vedanta bezieht sich hingegen häufig auf den Yoga und speziell auf die Yoga-Sutras Patanjalis und beschreibt sie als einen praktischen Weg, um die im Vedanta aufgezeigten Ziele zu erreichen. Tatsächlich kann man den Vedanta als die philosophische Interpretation der auf dem Yoga-Weg gemachten spirituellen Erfahrungen verstehen, die mit Hilfe der bis dahin vorhandenen philosophischen Vorstellungen nicht mehr befriedigend zu erklären waren."
(Aus: Andreas Binder: Advaita Vedanta - Erwachen zur Wirklichkeit)

Der Tantrismus zählt zu den nicht orthodoxen Schulen und hat sehr unterschiedliche Ausprägungsformen. Einige davon sind monistisch und sehen Shiva als den Urgrund allen seins. Diese Schule hat eine gewisse Nähe zum Advaita.

Ich würde an Deiner Stelle versuchen, nicht alle philosophischen Schulen gleichzeitig zu studieren, das führt sicherlich eher zu Verwirrung. Die unterschiedlichen Darshanas verwenden teilweise die gleichen Begriffe mit unterschiedlicher Bedeutung (Inkommensurabilität der Begriffe). Wichtig ist wahrscheinlich eher herauszufinden, zu welcher Erklärung der Wirklichkeit Du einen Zugang findest und dann dieses in der Tiefe zu ergründen.

Om Tat Sat - Andreas
Hallo Andreas

Stimmt, meine Verwirrung hat etwas mit der Tatsache zu tun, dass es keine einheitliche indische Philosophie gibt und ich von hier und da etwas aufgeschnappt hab', so dass ich die unterschiedlichen Schulen nun eben durcheinanderbringe und erstmal für mich sortieren darf.
Deine Zeilen haben mir dazu einen wertvollen Hinweis gegeben, welchen Weg ich nun einschlagen werde um der Sache auf den Grund zu gehen...mich tiefer damit zu befassen.

Herzlichen Dank für deine übersichtliche inspirierende wertvolle Antwort!

Sonnige Grüsse und einen schönen Abend,
Corina
Hallo Corina,
danke für Deine Antwort!
Je intensiver Du Dich damit beschäftigst, desto mehr Freude wirst Du daran haben - zumindest geht es mir so. Schön ist auch, dass sich klassische Texte, wie die Bhagavadgita oder die Upanishaden dann ganz anders lesen.
Dir auch einen schönen Abend, liebe Grüsse,
Andreas
Hallo Andreas,

:-)ich habe mir das mal alles durchgelesen und komme auch soweit gut damit klar, nur an einem Punkt schreibst Du "Vedanta beruht auf den Lehren von den Upanishaden", (?) Veda verdanken wir den Rsis, sie sahen den Veda und gaben ihn an uns weiter, daraus entwickelt sich doch alles weiter, so beruht alles auf Veda. :-))
OM mit lieben Grüssen Helga
Hallo Helga,
das ist sicherlich richtig - alle orthodoxen Darshanas Indiens gehen auf den Veda zurück. Der Veda hat dann verschiedene Weiterentwicklunge durchlaufen, vielleicht eher Umformulierungen - bereits die Unterteilung in vier Vedas ist ja bereits eine solche. In den Upanishaden werden die philosophischen Aspekte des Veda und die damit verbundenen spirituellen Praktiken dargelegt. Im Vergleich zu den Urtexten des Veda sind sie weitaus leichter verständlich, weniger mythologisch und berücksichtigen weniger das Karma-Khandha, den ritualistischen Aspekt, sondern vielmehr das Jnana-Kandha, den Erkenntnisteil des Veda. Der Vedanta hat als seinen autoritativen Textkörper die Upanishaden, die Bhagavadhita und die Brahmasutras. Er bezieht sich wenig auf die ursprünglichen Texte des Veda wie Rig- oder Samaveda, deshalb habe ich geschrieben, dass der Vedanta sich auf die Lehre der Upanishaden bezieht.
Liebe Grüsse, Andreas
Hallo Andreas,
Du hast es wunderbar beschrieben. :-)
kannst du noch was zu der Stellung der Frau in den Traditionen sagen,auch bezüglich zum Thema Tantrismus die Siva-Sakti Einheit in der Verschmelzung mit Brahman,die Mystik des Tantra.........
freue mich schon auf Deine Antwort
Gruss Helga
Hallo Helga,
Danke :-))
Zu Deiner Frage muss ich Dich allerdings enttäuschen - ich kenne mich mit Tantra nicht aus.
In der orthodoxen hinduistischen Tradition haben Frauen sicherlich keinen allzu hohen Stellenwert, dafür gibt es zahlreiche Belege in den Schriften. Ich halte das aber eher für ein kulturelles Phänomen, als dass es mit dem Inhalt der vedischen Lehre zu tun hätte. Ganz im Gegenteil widersprechen diese Haltungen den Kernaussagen des Advaita.
Das Absolute Atman-Brahman ist jenseits aller Kategorien von männlich und weiblich. Selbst der Jiva, der die unterschiedlichen Körper annimmt und Wiedergeburten erfährt, nimmt weibliche und männliche Körper an – und die Identifikation mit einem Geschlecht ist nur sehr vergänglich, eine reine Überlagerung. Der Jiva aber ist nur eine Widerspiegelung des Atman im Bereich der Maya, und der Atman ist völlig frei von allen Eigenschaften.
Erleuchtete Wesen finden sich sowohl unter Frauen als auch unter Männern – ein Zeichen, dass auch für den praktischen Verwirklichungsprozess das Geschlecht keine entscheidende Rolle spielt.
In der Tradition des Advaita geht es darum viel mehr um die Disidentifikation von Geschlechterkonzepten als um die Arbeit damit.
Liebe Grüsse,
Andreas
Grüss Dich Andreas,
Deine Erklärung sind wirklich gut verständlich. Danke !
Den weiblichen Aspekt im mystischen Tantrismus ist doch voranig ein weiblicher mütterlicher gestaltender Erfahrungsweg. Der unveränderliche Geist und schöpferische Veränderungskraft werden als Siva -Sakti-Einheit erlebt. Ich habe es auch nicht geschlechtsspezifisch gemeint, sondern die wirkenden Kräfte als Ausdruck des absoluten Bewusstsein, sie sind untrennbar eins in allen Ausdruckformen gemeinsam gegenwärtig.
Ich werde mich mit den Thema Mystik in der yogischen Kultur noch
mehr vertiefen um Klarheit zu bekommen.
Harih Om
liebe Grüsse Helga
liebe Corina,

zur Ergänzung möchte ich noch anmerken, dass Kundalini Yoga aus dem Tantrismus entstanden ist.
Vedanta bedeutet soviel wie das Ende oder der Abschluß der Veden...

Hari OM tat sat

Ananda

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