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Vor mehreren Jahrhunderten schrieb ein legendärer indischer Weiser, Gelehrter, Grammatiker, und Jogi namens Patanjali sein Yoga Sutra, um mündliche Überlieferungen zu bewahren. Sein Werk beschreibt den Einsatz eines gesunden Menschenverstandes und den Weg zu einem leidensfreien Leben.

Das Ich-Bewusstsein und persönliche Freiheit sind zentrale Themen des Patanjali-Sutra, unsere menschlichen Beziehungen treten allerdings nicht dahinter zurück. In diesem Sutra finden wir die Lehre einer guten Beziehung in Verbindung mit gesundem Egoismus.

Es geht um eine Perspektive, die uns eine Empathie erlaubt: Das Mitfühlen der Emotionen des Anderen, ein genaueres Selbstbild und einen nicht von Trugbildern geprägten Eindruck unserer Beziehungen und Lebensumstände.

Wichtigstes Werkzeug sind dabei die Niyamas, was aus dem Sanskrit übersetzt „Einhaltung“ bedeutet und unsere moralischen Richtlinien beschreibt. Übersetzen wir Yama für gewöhnlich mit dem Begriff Selbstbeherrschung, dann wird die Bedeutung des Wortes klarer. Fünf Niyamas beschreibt Patanjali, die unser Beziehungsleben bestimmen. Die Reinheit (saucha), die Genugtuung (santosa), die Strenge (tapas), das Selbststudium (svadhyaya) und die Hingabe zum höheren Wesen (isvara pranidhana).

Erste Studien, welche die Autorin Judith Lasater betrieb, bezogen sich auf die Vermeidung unreiner Gedanken, Lebensmitteln, Menschen und Tätigkeiten. Das erschien ihr aber ein äußerst rigides Vorgehen zu sein. Dabei weiß sie heute, dass Saucha eher den Einsatz des gesunden Menschenverstandes und den respektvollen Umgang miteinander meint. Der eigene Handlungsansatz soll hinterfragt und analysiert werden. Heute lebt sie nach der Aussage des Philosophen Viktor Frankl, der sagte, dass sein Leben Bedeutung erhielt, als er andern half, die Bedeutung ihres Lebens zu ergründen. Es geht also vorrangig um Empathie und nicht um Ich-Bezogenheit.

Die Santosa hingegen verlangt von uns, Gegebenheiten hinzunehmen, auch wenn wir nicht mit ihnen zufrieden sind. Man kann sich nicht immer auflehnen gegen alles, was der eigenen Vorstellung widerstrebt und dabei glücklich sein. In guten Zeiten lässt sich dies leicht üben, aber auch die Akzeptanz schwieriger Zeiten wird hier von uns verlangt.

Eins der stärksten Konzepte des Patanjali Yoga ist die Strenge. Sie kann auch als Disziplin übersetzt werden, der wir uns beugen sollen. Es bedeutet immerwährendes Engagement gegen alle Schwierigkeiten. Trotz dieser Weisheit heißt das nicht, dass alle Schwierigkeiten automatisch gut für uns sind, wenn wir uns zwingen diese zu überwinden. Besser ist es, die Tapas einzusetzen, wenn wir den Kindern oder dem Partner das 10.000 Mal den selben Fehler verzeihen oder uns gegen den inneren Widerstand auf die Yogamatte begeben. So kann die Tapas für uns positive Auswirkungen haben. Sich selbst genau zu erkennen und sich die eigenen Schwächen und Fähigkeiten bewusst zu machen, das verlangt svadhyaya von uns. Unsere Innen – und Außenwirkung müssen übereinstimmen, damit wir mit unserer wahren Natur einhergehen können. Daran muss man konsequent arbeiten.

Sich Gott ergeben ist die letzte der Niyamas und das erstaunt viele, die Yoga bisher nicht als theistische, also einem Gott zugeordnete Lehre sehen. Dabei bleibt es dem Yogi überlassen, was für ihn das höhere Wesen, das über dem eignen Selbst steht und dieses lenkt, darstellt. Patanjali lässt diesen Gott undefiniert und offen für unsere eigene Interpretation. So können wir uns lenken lassen ohne uns beherrscht zu fühlen.

Diese fünf Niyamas erleichtern uns einen yogischen Weg und bahnen uns eine Möglichkeit, auf diese Weise zu leben, die uns viel abzuverlangen scheint und doch im Grunde einfach nachzuvollziehen ist, wenn man tief in die Weisheiten eintaucht.

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