David Karmeli wird am Ende der Stunde seine Meister gefunden haben, auch wenn seine Beurteilung eher wohlwollend zu werten ist – doch das, was die Kinder da an Disziplin aufbringen, ist schon erstaunlich und verlangt ihnen viel ab. Vielen Kindern scheint dabei klar zu werden, dass Yoga auch für den nachfolgenden Unterricht Sinn machen wird und diese Feststellung trifft auch die Klassenlehrerin, die erklärt, dass die Kinder sich von allein im Laufe des Unterrichts Ruhephasen suchen.
Am heutigen Dienstag wechseln die Kinder zwischen den unterschiedlichsten Hatha-Yoga-Stellungen hin und her und zeigen, was sie können. Da sind der Fersensitz und die Kobra, der Hund und der Sprinter und noch einige andere. Erd – und Sonnengruß gehören selbstverständlich auch dazu und David ermahnt die Kinder zu einer langsameren Bewegung. Mit der Langsamkeit kommen ihre Bewegungsabläufe in Fluss. Besonders schwer fällt ihnen, absolut still auf der Matte zu liegen und dies so lang auszuhalten, wie zehn Trommelschläge klingen. In dieser Schule jedenfalls hat man erkannt, dass Kinder mehr lernen müssen als nur Schreiben, Rechnen und Lesen, denn es ist im Alltag vor allem die Ruhe, die den Kindern fehlt. Das ist ein deutliches Zeichen unserer Zeit und hier arbeitet man dem seit drei Jahren wenigstens in der ersten Klasse entgegen.
Und nun erwartet David Karmeli die schwerste Übung des Tages: eine Vorwärtsbeuge, die den Kindern wahre Schwierigkeiten bereitet. Hier erweist sich, dass Kinder schon im zarten Alter unter Verspannungen leiden, weil sie zu viel von ihrer Zeit vor Fernseher und Computer verbringen. Und hier handelt es sich um eine private Schule, in der der elterliche Umgang eigentlich fürsorglicher ist als es beim Gros der Kinder heute der Fall ist. Dafür sind auch die elterlichen Ansprüche an kindliche Leistungen höher, was schon in frühen Jahren Stress erzeugt. Durch das Erlernen und Umsetzen des Yoga und die Integration in den Schulalltag fördern die Pädagogen das allgemeine kindliche Lernverhalten und die Konzentrationsfähigkeit. Trotzdem die Elternschaft am Anfang nicht sehr viel Interesse für den Yogaunterricht zeigte, haben auch die Eltern schnell seine allgemeine Wirkung erkannt. Heute profitieren Kinder, Lehrer und Eltern von dem Ergebnis. Selbst die Kinder können das ganz deutlich am eigenen Verhalten festmachen. Inzwischen gibt es einige Schulen, die sich der Yogatechnik im Schulalltag bedienen und in Zukunft werden es wohl immer mehr werden – das jedenfalls wäre aus Pädagogensicht wünschenswert.
Aus einem Artikel von Stephan Loichinger für Yoga aktuell.
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Danke für den schönen Beitrag. Ich bin auch Yogalehrerin und überlege gerade bei uns in den Kitas und Grundschulen Yoga für Kinder anzubieten. Meine Frage hierzu ist, ob es reicht aus einem guten Yoga Märchen Buch vorzulesen und die Kinder dann zum aktiven Gestalten der Geschichte einzuladen. Wer kann mir gute Tipps geben?
Namsté Steffinanda
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