So kam es auch bei der Yogapraxis immer wieder zu Verletzungen, ehe sie diese Problematik erkannte. Dieses Erkennen kam eher zufällig zustande, als sie einmal nicht in der Lage war, einen vernünftigen Kopfstand zu machen. Immer wieder hatte sie es versucht und sich zuletzt mit Hilfe zweier Stühle einer modifizierten Variante genähert. Erst da verspürte sie, wie gut diese Übung ihrem Nacken tat und dass es ihr endlich gelang ihren Trapeziusmuskel zu entspannen – und all das ohne große Anstrengung.
So kann man es auch bei B.K.S.Iyengar, in seinem Werk „Der Urquell des Yoga“ lesen, das die Yoga-Sutras des Patanjali beschreibt. Hier erklärt er, dass einem Vogel das Fliegen nur mit zwei Flügeln gelingen kann. Hierin sei die Ähnlichkeit zum Yoga zu finden, denn auch beim Yoga paaren sich Entsagung und Praxis um den Höhepunkt vollendeter Selbsterkenntnis zu erlangen.
Stacey hingegen hatte ihr Augenmerk stets nur auf die Disziplin und Beharrlichkeit ihrer Übungen gerichtet, die man abhyasa nennt. Seit sie weiß, dass vairaga, oder die Entsagung, ein ebenso wichtiger Teil ist, unterlässt sie den wettkampflichen Vergleich mit anderen und grämt sich nicht mehr über eigene körperliche Unzulänglichkeiten. War sie früher wie ein Vogel mit nur einem Flügel, geht sie heute achtsam mit sich um und lernt in ihrer Praxis so das Fliegen mit zwei Flügeln.
Nach einem Artikel von Stacey Mietus, gefunden im deutschen Yoga Journal.
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