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Wem ist es nicht schon aufgefallen, wer hat es nicht schon erlebt, bei sich oder bei anderen? Eine mehr oder weniger große Tendenz des westlichen Yoga Aspiranten zur verkürzten Sichtweise von Yoga, einer Präferenz einer ausschließlich auf den Körper fixierten Yogapraxis - Hatha Yoga. Das Trennende von puristisch/klassischer und reformativ/neowestlicher Auffassung erscheint hier in aller Deutlichkeit. Ersterer Standpunkt meint, dass das indische Yogasystem möglichst rein bleiben solle, der zweite Standpunkt nimmt es damit nicht ganz so ernst und ist offenen für Erweiterung. Beide Standpunkte sind für mich verständlich, weil relativ, kommt es doch immer auf den Standpunkt des Beobachters an. Wichtig dabei ist, das jeder seinen eigenen Yogaweg findet. Zu wünschen wäre hierbei, dass man sich voranschreitend mit der Diversität von Yoga beschäftigt, sei es auch nur um herauszufinden, dass dies eben nicht der eigene Weg ist. Freier Wille als auch Karma schaffen auf diesem Weg genügend Spielraum zur Erfahrung des Selbst.

Heute bin ich über eine Kritik von Ramakrishna gestolpert, die polarisiert, aber dennoch von seiner -damaligen- diametralen Auffassung gegenüber der westlichen zeugt:

"Hatha-Yoga hat beinahe ausschließlich mit dem Körper zu tun... Vedanta verwirft Hatha-Yoga, aber hält die Wissenschaft der bewußten Überwachung und Beherrschung der inneren Mächte (Raja-Yoga) für geeignet, um höchste Erkenntnis zu erlangen. Raja-Yoga ist gut, Hatha Yoga ist nicht gut. Der Zweck des Hatha-Yoga ist langes Leben und der Erwerb okkulter Kräfte. Raja-Yogas Ziel aber ist Entsagung, Gottesliebe und Gotteserkenntnis."
Ramakrishnas ewige Botschaft, Zürich 1955

Sein Schüler, Vivekananda, hat in seiner Aufteilung der verschiedenen Yogasysteme Hatha Yoga außen vorgelassen.

Auch die (klassische) Hatha Yoga Pradipika meint:
79. Es gibt viele, die nur Hatha-Yogis sind - ohne Kenntnisse über Raja-Yoga. Ich halte sie für simple Praktiker, die nicht die Frucht ihrer Bemühungen ernten [die Bhagavadgita verlautet da doch anders!]
103. All die Hatha-Yoga Praktiken sind nur zur Erlangung von Raja-Yoga. Diejenigen, die Perfektion in Raja-Yoga erlangt haben, überlisten den Tod.

Hatha Yoga verstanden als eine der Stufen zum elaborierten System des Raja Yoga.

Meine eigene Erfahrung zeigt, dass spirituelle Dimensionen schwer vermittelbar sind, weil sie eben nur individuell erfahrbar sind - Yoga sozusagen als Erfahrungswissenschaft. Vieles bleibt dabei bruchstückhaft und mysteriös. Auch wenn der Ansatz ganzheitlich intendiert ist. Die harten Fakten einer wissenschaftlich (physisch/physikalisch) erforschten und damit verifizierten Wirklichkeit bzw. ihre Greif- und Verwertbarkeit zum eigenen Nutzen korrespondiert mit der Körperkultur der westlichen Hemisphäre.
Trotzdem: wer meditiert ist nicht der bessere Yogaübende. Auch wenn man sich auf den Kopf stellt.


Tags: Geist, Hatha, Körper, Ramakrishna, Yoga

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