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Christentum und Yoga

Wie können Christen Yoga üben? Wie können Yoga Übende mit Christen kommunizieren? was habt ihr für Erfahrungen?

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Yoga Vidya Kommentiert von Yoga Vidya am 7. November 2008 um 8:33am
Vortrag von Sukadev zur Bergpredigt. Die Bergpredigt enthält die Essenz der Lehren von Jesus Christus, die Lehren von Liebe zu Gott und zum Nächsten. Basierend auf dem 5. Kapitel des Matthäus-Evangeliums interpretiert Sukadev Bretz diese erhebenden Verse vom Standpunkt von Yoga und Vedanta aus. Mitschnitt eines Live-Vortrags des letzten Samstag-Abend-Satsangs im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg.
Ein Artikel von Swami Sivananda zu Jesus: Hier klicken

icon for podpress  Die Bergpredigt in Yoga Interpretation [45:26m]: Hide Player | Play in Popup | Download
jivin Kommentiert von jivin am 24. August 2008 um 21:09pm
Yoga und Christentum

Angesichts der verschiedenen Ziele scheint ein Widerspruch zu bestehen, grob vereinfacht gesprochen: Yogis streben nach Moksha und Samadhi, während Christen das Himmelreich zu erlangen suchen.

Wie man NICHT dort hinkommt erfahren wir im NT: "Es sei denn, daß ihr umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen" (Matthäus 18.3.). Wie müsste man demnach werden, was zeichnet Kinder aus? Sie sind spontan, naiv, neugierig, leichtsinnig ... nichts, was bei Erwachsenen nicht auch (wenn auch in geringerem Maße) zu finden wäre. Der qualitative Unterschied wird deutlich, wenn wir den Übergang zum Erwachsenen betrachten - das gesamte hormonelle System wird umgebaut, wenn die Funktion der Epiphyse, nämlich die Hypophyse zu kontrollieren, nachlässt und letzere vermehrt ihre Hormone produziert. "Mit der verminderten Produktion von Melatonin geht ein fortschreitender Aufbau von Serotoninkonzentration im Gehirn einher, und die Türen in die ausgedehnte Welt der intuitiven Wahrnehmung ... schließen sich." (Dr. Swami Karmananda Saraswati)

Im Jargon des Kundalini-Yoga könnte man wohl sagen: Ajna-Chakra wird blockiert. (Kundalini)Yoga kennt verschiedene Wege, um die Chakra (insbesondere eben auch Ajna) zu erwecken, z.B.:

* Mantra-Japa:
"So zog ich denn meines Weges und verrichtete unabläßlich das mündliche Gebet. Endlich fühlte ich nach nicht gar zu langer Zeit, daß das Gebet ganz von selbst ins Herz überzugehen begann, das heißt, das Herz fing an, beim gewöhnlichen Schlagen, gleichsam innerlich, die Gebetsworte mit jedem Schlage auszusprechen ..."(Emmanuel Jungclaussen, zitiert in: J.E. Berendt, "Nada Brahma") - das Herzensgebet der Ostkirche.

* Pranyama:
"Dann drücke den Bart auf die Brust ... drücke die Einatmung der Luft, welche durch die Nase geht, zusammen, so daß du nicht leicht atmen kannst ..." (Symeon der Neue Theologe, zitiert in: Mircea Eliade, "Yoga") - werden hier Jalandhara Bandha und Ujjayi Pranayama beschrieben?

* Raja Yoga:
Bei den "drei großen Kappadokiern" und bei Meister Eckhart (wohl auch anderswo) finden sich Bemerkungen, die annehmen lassen, dass ihnen das Konzept von Pratjahara bekannt war; im folgenden ist offenbar von Svadyaya und Dharana die Rede: "Um nun diese Aufgeblasenheit des Geistes und diese Erhitzung der Gedanken zu dämpfen, verkündet die Stelle das große und weise Gebot ´hab acht uf dich selbst´ ... was aber zu tun wäre ist folgendes. Wir müssen versuchen, den Geist in Ruhe zu halten. Ein Auge, das immerfort herumschweift ... kann einen bestimmten Gegenstand nicht genau sehen ..." (Basilius der Große)


Demnach scheint es, als kenne (oder kannte) die christliche Tradition Praktiken, die in ähnlicher Form im Yoga genutzt werden, um die Chakra zu öffnen und Kundalini zu wecken und so schließlich - das Himmelreich zu erlangen.

(Nebenbei: den Gedanken, dass Kundalini-Erfahrungen nicht auf die yogische Tradition beschränkt sind legt z.B. die Geschichte Jakobs aus dem AT nahe, nämlich sein "Traum" von der Engelsleiter und etwas später die Gotteserfahrung. Luther übersetzt Mose 1 32,30: "... denn ich habe Gott von Angesicht gesehen, und meine Seele ist genesen.")

So gesehen könnte ja ein Christ durchaus zugleich auch ein Yogi sein.

Allerdings gibt es gravierende Unterschiede: Im Yoga wurden und werden diese Dinge systematisch und nüchtern erforscht, erklärt und gelehrt (Dogmen und Gauben -im Sinne von 'für wahr halten'- gelten weniger als die unmittelbare Erfahrung), während das Verhältnis der christlichen Kirchen zur Mystik (Yoga ist Mystik) und Toleranz eher ein problematisches zu sein scheint.

Und hier könnte eben Konfliktpotential für Christen liegen, die sich auf Yoga einlassen: sie laufen "Gefahr", eigene Erfahrungen zu machen, welche im Widerspruch zu den Dogmen ihrer Kirche stehen.

Hier stellt sich dann aber die Frage, ob ein Yogi zugleich auch (Kirchen-)Christ sein kann ;-)

Das Schlusswort will ich Kabir überlassen:


O, der du Mir dienst, wo suchest du mich?
Sieh, Ich bin bei dir.
Ich bin weder im Tempel noch in der Moschee,
weder in der Kaaba noch auf dem Kailash.
Weder bin ich in Riten und Zeremonien,
noch in Yoga oder Entsagung.
Wenn du ein wahrhaft Suchender bist,
wirst du mich sogleich sehen,
Mir begegnen im gleichen Augenblick.
Kabir sagt:
O Sadhu!
Gott ist der Atem
allen Atems.


Hari Om Ta Sat
Jivin
 

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