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" Bedarf es der Absicht - da es doch keine Wahl gibt?

Alles, was ich bin, ist Sehen, wenn ich sehe,
Alles, was ich bin, ist Hören, wenn ich höre.
Alles, was ich bin, ist Empfindung, wenn ich fühle.
Alles, was ich bin, ist Verstehen, wenn ich weiß.
Wahres Sehen ist Nicht-Sehen - keiner, der schaut.
Wahres Hören ist Nicht-Hören - keiner, der lauscht.
Wahres Handeln ist Nicht-Handeln - keiner, der tut.
Wahres Denken ist Nicht-Denken - keiner, der überlegt.
Allein Spontaneität ist frei von Wollen - und da ist kein Ich.

»Das, was Hören ist, ist jenseits von Denken, Geist und Körper.«
(Surangama-Sutra)

Was gehört wird, ist der Hörer dessen, was gehört wird.
Die Gesamtheit einer Handlung ist abhängig von der Gesamtheit
der Abwesenheit dessen, der die Handlung ausführt.
Das allein ist reines Handeln.

Ungeboren und ungestorben


Es gibt weder Geburt noch Tod: Geburt und Tod sind einzig objektiv.
Objektives Leben
ist phänomenal. Dies, was wir sind, ist nicht phänomenal:
Ein Schatten ist nicht seine Substanz.
Aber er hat keine Existenz unabhängig von seiner Substanz.

Komödie...

Phänomenale Objekte, scheinbar verzweifelt auf der Jagd nach
sich selbst als Subjekt!
Wiekönnte ein Objekt sein Subjekt suchen?
Alles, was es ist, ist Subjekt; alles, was es tut, wird
von Subjekt getan, so dass Subjekt selbst verzweifelt
nach sich selbst jagt!

... und Kommentar

Das »Subjekt«, von welchem sie schließlich erkennen,
daß sie es sind, ist keine Entität, denndas kann
Subjekt niemals sein.
Noch einmal: Das Subjekt eines Objekts ist als Subjekt selbst
ein Objekt, genauso wie das Objekt des Subjekts selbst nichts
als Subjekt ist. Das bedeutet, dass sie eins sind; und das sind
sie wirklich - wie die zwei Seiten einer einzelnen Münze ohne
die Münze: Sie sind abwechselnd und gleichzeitig Subjekt-Objekt.
Sind das semantische Taschenspielertricks?
Vielleicht, aber es könnte auch niemals etwas
anderes sein, da es zwar verstanden, aber nicht als logische Aussage
ausgedrückt werden kann.
Es wäre vielleicht einfacher, aber würde nichts ändern, wenn die Wörter
»Objekt« und »Subjekt« durch die Wörter »Phänomene« und »Noumenon«
ersetzt würden. Alle Phänomene sind nichts als Noumenon,
und da ist kein solches Ding wie Noumenon:
Noumenon ist »Noumenon« einzig in Gestalt von Phänomenen.
Dem denkenden Verstand erscheinen sie als zwei Dinge,
aber sie existieren nicht einmal als duale Begriffe,
denn als solche sind sie beide phänomenal.
Sie sind ein Ganzes -und das heißt: kein Ding.

Diese Einsicht ist vielleicht die grundlegende Einsicht,
aber sie läßt sich nicht Vernunft-schlüssig ausdrücken.
Selbst das beste Beschreiben ist wie blindes Ballern auf den Mond!"

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Antworten auf diese Diskussion

Für Sile

Wenn ein Käfer sieht, bin ich es der der schaut;
Wenn die Nachtigall schlägt, bin ich es der singt;
Wenn der Löwe brüllt, bin ich es, der schreit.

Wenn ich mich selbst sehen will, kann ich nichts sehen -
denn da ist kein Ding, das gesehen werden könnte.
Ebenso kann Sile mich nicht sehen; denn wenn sie versucht, mich zu sehen, bin ich es, der schaut: Sie kann nichts machen - denn ich allein kann alles tun. Auch der Käfer kann das sagen, und auch Sile, denn wir sind weder drei noch zwei noch einer.

Ich bin auch das Meer und die Sterne, der Wind und der Regen;
Ich bin alles, was Form hat - denn Form ist mein Sehen der Form.
Ich bin jeder Ton - den Ton ist mein Hören des Tons;
Ich bin jeder Geruch, jeder Duft, alles, was berührt werden kann -
Denn was wahrnehmbar ist ist meine Wahrnehmung;
Und alle Empfindungen sind mein.

Sie alle haben kein anderes Leben, und auch ich nicht -
denn was sie sind, bin ich; und was ich bin, sind sie.
Was das All ist, bin ich; und was ich bin ist das All.
Und da ist überhaupt kein Anderer, noch irgend Einer.
"Gate, gate parasamgate, boti! svaha"

Da Manifestation wie Hurrikane und Tornados, Uberschwemmungen
und Flutwellen von destruktiver Natur sind, mag es so scheinen,
als seien unangenhme Phänomene bisher ignoriert worden. Der in phänomenaler Hinsicht zerstörerische Aspekt reinen Wirkens kann vielleicht wie folgt dagestellt werden:

Eine Katze spielt mit einer Maus und frißt sie; ein Löwe tötet und verschlingt eine Antilope; ein Jäger schießt und verspeißt einen Fasan; ein Kannibale kocht einen Missionar und genieß das Festmahl, ein Soldat wirft eine Atombombe ab und vernichtet zehntausend Menschen. Von den Tätern - der Katze, dem Löwen, dem Jäger, dem Kannibalen, dem Soldaten - wird sein Wirken als "gut" aufgefaßt. Von den Opfern - dere Maus, der Antilope, dem Fassan, dem Missionar, dem Bombenopfern - wird dieses Wirken als "schlecht" aufgefaßt.

Für jeden von ihnen erscheint jede Tat als seine Tat oder seine Erfahrung, aber keiner kann irgendeine Tat vollbringen oder eine Erfahrung erleiden, denn kein phänmenales Objekt besitzt irgendeine unabhängige Existenz in sich selbst. Und da ist auch kein Richter.

Ich allein bin das Wirken das sich so manifestiert -und alle Lebewesen können dieselben neun Worte sagen. Zwischen diesen scheinbaren taten ist kein Unterschied möglich, denn eine Tat muß von einem Täter begangen werden. Da ich aber noumenal keine Entität bin, gibt es keine Entität die etwas tun könnte. Da der Noumenale Aspekt frei von Attributen ist, besitzt er auch kein Unterscheidungsvermögen, das sich auf die Erscheinungswelt anwenden ließe. Verantwortung ist ein psyschologischer Begriff, der auf der Unabhängigkeit eines eingebildeten freien Willens beruht.
Freude und Leid Genuss und Schmerz sind Gefühlsregungen, die scheinbar vom Objekt erlebt werden - in allen Arten von Träumen, wie in Alpträumen und "Wachträumen" des bewußten Lebens. Dagegen ist das reine Wirken der Noumenalität frei von Urteilen und unangreifbar.

"Das Auge sieht, aber es schaut nicht", wie Chang-tzu uns vor mehr als zweitausend Jahren erklärt hat. "Du" siehst, aber ich bin es, der schaut. Lebewesen scheinen Erfahrungen zu machen und zu handeln, aber das, was dies alles bewirkt, ist noumenal. Es gibt keine Täter, niemals nirgendwo, wie uns der Lotusgeborene Padmasambhava offenbarte, und keine Tat wurde je getan; genauso wie das Gesuchte der Sucher des Gesuchten ist, so daß das, was getan wurde, der Täter der Tat ist - und kein solcher kann gefunden werden.
Denn was ich bin, ist das Suchen, welches das Gesuchte und der Sucher ist, und das Tun der Täter und die Tat ist. (aus Wei Wu Wei, Das offenbare Geheimnis, Kapitel 77, Für Sile)

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