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Reinkarnation

SCOTT: Einerseits sagst du, dass es im Grunde nichts gibt — alles kommt aus dem Nichts und sinkt ins Nichts zurück. Aber dann sprichst du in einem deiner Bücher über Reinkarnation. Ich weiß, das ist »nur Gedanke«, wie du so gern sagst, aber ich verstehe trotzdem nicht, weshalb du es sagst. Mir erscheint es widersprüchlich, weil ich weiß, dass kein individuelles Ego, keine Ego-Kapsel, bestehen bleibt. Zurück ins Nichts, auch das Ego.

RAMESH: Wie der Buddha sagte: Es gibt keine Seele und folglich auch keine Seelenwanderung von einem Leben zum nächsten.

SCOTT: Deshalb hängen die Leute so am Leben und an dieser Idee, dass weitere Leben folgen werden. Da hat man ein wenig Gewissheit im vollkommen Ungewissen.

RAMESH: Das Ego möchte nicht sterben und schätzt diesen Gedanken der Wiedergeburt. Es sagt: »Ich weiß, dass dieser Körper sterben wird, aber ich will nicht sterben.«

SCOTT: Ich bin froh, dass du das so ganz direkt sagst. Wirklich schön.

RAMESH: Ja, und worauf beruht der Gedanke der Wiedergeburt? Darauf, dass es angeblich ein Individuum gibt, das etwas tut. Wenn die Taten eines Individuums in einem bestimmten Leben gut waren, dann wird dieses Individuum es im nächsten Leben ebenfalls gut haben. Wenn du in diesem Leben leidest, dann deshalb, weil du in einem früheren schlecht gehandelt hast. Nach der Wiedergeburtslehre stirbt das Ego nicht, weil es als der Täter aller Taten angesehen wird.

SCOTT: Und das ist reine Einbildung.

RAMESH: Ja. Aber nur für den, der es durchschaut. Die meisten Leute wehren sich dagegen. Sie finden Erleichterung in dem Gedanken, dass ihre Leiden einen nachvollziehbaren Grund haben. Oder dass es nachvollziehbare Gründe hat, wenn manche Menschen mit körperlichen Behinderungen zur Welt kommen und andere Millionäre sind. Der Verstand möchte gern wenigstens sagen können: »Jetzt verstehe ich, warum andere steinreich sind und ich ein armer Schlucker bin.« Der Verstand hört die Wiedergeburtslehre gern. Aber die Frage lautet doch: Wer erntet die Früchte des guten oder schlechten Handelns? Es ist ein anderes Ego in einem anderen Körper.
Die Persönlichkeit eines werdenden Körpers wird aus der Gesamtheit des universalen Bewusstseins geschöpft, aus all den »Wolken von Bildern«, die endlos generiert werden. Diese Gesamtheit wird ständig auf neue Körper aufgeteilt, alle erhalten bestimmte Züge und Eigenschaften, die genau die Handlungen hervorrufen, die für das Stück des göttlichen Dramatikers erforderlich sind. Kein bestimmter Körper-Geist-Organismus hat als solcher mit irgendeinem früheren Körper-Geist-Organismus zu tun.


Wiedergeburt - Die Fortsetzung der unpersönlichen Manifestation

Würde Nisargadatta bestreiten, daß ich frühere Leben hatte?

Maharaj hat nichts bestritten.

Aber er bestreitet Wiedergeburt.

Er bestreitet das Konzept von Wiedergeburt. Wenn Sie darauf bestehen, an Wiedergeburt zu glauben, wie kann er Sie daran hindern? Wenn Sie ihn fragen: »Glauben Sie an Wiedergeburt?« dann würde er sagen: »Nein.«

Ramana Maharshi sagte, wer sich für ein Individuum hält, das viedergeboren wird, für den ist dies wahr. Würde Nisargadatta das auch so sehen?

Jein, aus einem ganz einfachen Grund: ein für allemal, es gibt kein »Ich«. Doch wenn Sie glauben, daß es ein »Ich« gibt, und daß Sie eine frühere Person waren, können Sie gerne glauben, was auch immer Sie für richtig halten.

Warum hat dann Ramana Maharshi gesagt, daß für die Menschen, die glauben als Individuum wiedergeboren zu werden, dies der Fall sei?

Ich denke, daß Ramana Maharshi genau das gleiche gesagt hat, doch er konnte es nicht immer und immer wieder durchkauen. Ich glaube ganz sicher, daß Ramana Maharshi genau meinte, was ich Ihnen gesagt habe.

Na ja, vielleicht hat er es so gemeint, doch das ist nicht, wie ich es lese.

Buddha hat sehr deutlich über Wiedergeburt und Karma gesprochen: »Da es kein Selbst gibt, gibt es auch keine Seelenwanderung des Selbst, doch es gibt Taten und fortlaufende Auswirkungen der Taten. Taten werden vollbracht, doch es gibt keine Täter. Es gibt kein Wesen, das wandert, kein Selbst wird von einem Platz zu einem anderen transferiert, doch es erklingt eine Stimme hier, und das Echo kommt zurück.«
Das heißt, wenn wir nur den Ablauf der Totalität ohne persönliche Motive betrachten, nicht nur aus der Perspektive eines Individuums, lediglich den unpersönlichen Ablauf der Totalität beobachten, dann gibt es keine Probleme. Werden die Dinge vom Standpunkt eines Individuums betrachtet, dann kann es nur Probleme ohne Ende geben. Doch wenn Sie die Dinge vom Standpunkt der Totalität betrachten, als ein unpersönlicher Ablauf von Ereignissen und Taten, die ohne persönlichen Täter geschehen, dann kann es keine Probleme geben.

Wenn es kein Selbst gibt, das wiedergeboren wird, dann scheint ein Organismus durch Zufall auf diese Welt zu kommen.

Ja, Zufall vom Standpunkt des Individuums, doch nicht, was dir Totalität betrifft. Die Totalität hat einen Organismus mit gewissen, definitiven Charaktermerkmalen gezeugt und kreiert, physisch, mental, temperamentsmäßig, so daß mittels dieser natürlichen Charaktermerkmale nur ganz bestimmte Ereignisse durch diesen Organismus geschehen.

Aber warum für diese bestimmte Person?

Es ist keine Person, es ist ein Organismus.

Warum müssen bestimmte Ereignisse geschehen?

Weil es die Auswirkungen früherer Ereignisse sind. Gewisse Ereignisse sind geschehen, und sie müssen bestimmte Auswirkungen haben. Damit diese Ereignisse geschehen können, muß die Totalität neue Organismen mit gewissen, angeborenen Charaktermerkmalen erschaffen, die diese Ereignisse produzieren werden.

Das halte ich für unfair! (Gelächter)

Die Totalität kümmert sich nicht um Fairness oder Gerechtigkeit für jedes Individuum. Wenn Sie in solchen Bahnen denken müssen, dann kann es nur um Fairness und Gerechtigkeit für den Ab lauf gehen, der in Ausmaß und Umfang für keinen individuellen Menschen fassbar ist. Das Universum ist in ständiger Bewegung und doch immer im Gleichgewicht.


Wiedergeburt

Sagten Sie, daß die Ent-Identifizierung sich über mehrere Leben
erstreckt?


Ja, gewiß doch. Doch bevor Sie dies frustriert, bedenken Sie die Tatsachen, daß Sie jetzt hier sind und daß nur bestimmte Organismen an diesem Studium interessiert sind. Dies deutet darauf hin, daß diese Stufe von Evolution in diesem Organismus nicht plötzlich geschehen ist. Damit in diesem Organismus diese Evolution geschehen konnte, hat es offensichtlich viele Leben von Organismen gegeben, durch die dieser evolutionäre Prozeß geschehen ist.

Das verwirrt mich. Sprachen wir nicht gestern darüber, daß das Ego mit dem Körper stirbt? Gibt es also etwas anderes als das Ego, das von einem Körper zum nächsten wandert?

Jawohl, doch es ist nicht das Ego, es ist das Bewußtsein. Es ist das Bewußtsein, das sich jedesmal, wenn ein neuer Organismus erschaffen wird, selbst mit dem getrennten Ego identifiziert.

Gibt es nicht doch etwas ähnliches, das von einem Organismus zum nächsten übergeht?

Auch das ist ein Konzept. Wenn der Körper stirbt, dann geht das ganze Bündel von Gedanken, Erinnerungen und Eindrücken in den großen Topf des Bewußtseins. Für das weitergehende Funktionieren bedarf es gewisser Handlungen oder Ereignisse. Damit diese Ereignisse geschehen können, werden neue Organismen benötigt. Diese Organismen werden erschaffen, damit die Taten geschehen können. Taten werden nicht erschaffen, um einen Organismus zu bestrafen oder zu beJohnen. Es ist ein inaktiver Organismus, der plötzlich bewußt wird, wenn ihm Empfindungsfähigkeit verliehen wird.

Bedeutet die Kontinuität der verschiedenen Funktionen, die durch verschiedene Organismen ausgeführt werden müssen, Ursache und Wirkung?

Ganz genau!

Das ist es also, was jedesmal geschieht, wenn jemand geboren wird? Bei jeder neuen Geburt manifestiert die Totalität einen neuen Mechanismus, durch den sie abläuft?

Jawohl, so ist es!

Das ist die Wiedergeburt?

Das ist die Wiedergeburt. Es gibt Karma, und es gibt Wiedergeburt, doch keine Wiedergeburt eines bestimmten Wesens. Es ist das Wort »wieder« in dem Wort Wiedergeburt, das die Verwirrung stiftet. Es gibt Geburten, neue Charaktere, neue Organismen, doch keine Wiedergeburt. Wiedergeburt und Karma zu verbinden, erzeugt all die Verwirrung.

Das Absolute wurde nie geboren und stirbt nie?

Ganz genau, der Ablauf geht weiter.

Diese Vorstellung von einer Seele, die sich aussucht, wo sie wiedergeboren werden will, um eine Lektion zu lernen, erscheint ziemlich lächerlich.

Das ist alles dummes Zeug! (Gelächter) Erstens: »Seelen«. Der Verstand will ein Konzept erschaffen. Der Verstand weiß, daß der Körper sterben muß, doch der Verstand, das »Ich«, möchte für immer leben, und wenn nicht in diesem Körper - und das kann er natürlich nicht -, dann in einem anderen Körper. So kreiert der Verstand das Konzept von einer Seele, die sich von einem Körper zum anderen bewegt, als ob das Bewußtsein nichts Besseres zu tun hätte, als sich um die Seelen zu kümmern, und sie in jedem Eeben Zu bestrafen und zu belohnen.

Ich würde gerne mehr darüber wissen, was es bedeutet, wenn man eine Erinnerung von sich selbst in einem früheren Leben hat, und man war ein Guru oder ein Ritter oder eine Ziege oder...

Der entscheidende Punkt ist die Erinnerung. Erinnerung an ein vergangenes Eeben, warum nicht? Es gab ein früheres Leben, und die Erinnerung kann dahin zurückgehen. Aber warum »Ihr« vergangenes Leben, lediglich weil Sie sich an »ein« vergangenes Leben erinnern ?

Sich damit zu identifizieren ist also der Irrtum?

Jawohl, ein vergangenes Leben, gewiß doch! Es gibt keinen Grund, warum die Erinnerung nicht zurückgehen könnte oder sollte, aber warum »Ihr« vergangenes Leben? Lediglich weil Sie sich erinnern?
Ist es der Verstand? Jawohl, es ist der Verstand.

Und trotzdem, als Sie gestern Abend von Ramana Maharshi sprachen, sagten Sie, daß er so reif war für diese Erleuchtung, daß es frühere Leben gegeben haben muß, um ihn darauf vorzubereiten.

Nein, es gab frühere Leben, es muß frühere Leben gegeben haben, in denen die Evolution dieses höchsten Organismus stattfand. Doch es waren nicht »seine« Leben.

Die tibetischen Buddhisten scheinen an so etwas wie eine »Seele« zu glauben. Wenn sie einen neuen Lama aussuchen...

Die eigentliche Überlegung war die einer spirituellen Evolution, und sie dachten an einen anderen Organismus, der erscheinen mußte. So wie ein hochentwickelter Verstand in der Erinnerung m ein vergangenes Leben zurückgehen kann, so gibt es keinen Grund, warum er seinen Verstand nicht in die Zukunft projizieren könnte, um einen anderen Organismus als einen zukünftigen Lama zu sehen. Doch es ist nicht eine Seele, nicht der »gleiche« Lama, der einen neuen Körper-Verstand-Organismus annimmt.
Hören Sie sich an, was Buddha über die Wiedergeburt sagt, es könnte keine klarere Aussage darüber geben. Er sagte: »So wie es kein Selbst gibt, so gibt es keine Seelenwanderung von einem Selbst.« Nun ersetzen Sie »Selbst« durch »Seele«, und es liest sich: »So wie es keine Seele gibt, so gibt es keine Seelenwanderung einer Seele. Doch es gibt Taten und fortlaufende Auswirkungen dieser Taten. Taten werden vollbracht, doch es gibt niemanden, der sie vollbringt. Es gibt kein Wesen, das wiedergeboren wird, kein Selbst, das von einem zum anderen transferiert wird! Doch eine Stimme erklingt, und das Echo kommt zurück.«
So viel über die Wiedergeburt, die die Essenz des Buddhismus sein soll, und hier ist Buddha, der sagte, daß es »niemanden« gibt, um wiedergeboren zu werden. Doch die Mönche und Priester späterer Zeiten hörten dies nicht, so wie sich viele Auslegungen der christlichen Religion nicht um die wahren Worte von Christus kümmern.

Ich arbeite mit Menschen, die sich an ihre vergangenen Leben erinnern, und sie erinnern sich nicht nur an vergangene Leben in ihren Körpern, sondern sie erinnern sieb auch an die Zwischenstadien, in denen sie auch Erfahrungen hatten, die nicht in Bezug zu einem bestimmten Körper stehen. Was ist aas dann? Ist das kein Körper- Verstand-Organismus?

Nein, das läuft so ab: bestimmte Handlungen geschehen, und sie haben Auswirkungen. Man kann sie unerfüllte Ambitionen nennen oder ein Schuldgefühl wegen gewisser Handlungen, die geschehen sind. All dies geht in den Topf des Bewußtseins, von dem es an die neuen Organismen verteilt wird, die erschaffen werden. So werden neue Organismen erschaffen, und durch diese neuen Organismen können zukünftige Handlungen geschehen. Handlungen geschehen, doch es gibt keinen Handelnden. Buddha hat dies sehr klar ausgedrückt.

Die Vorstellung ist also, daß es sozusagen Bündel von Taten gibt.


Ja, aber es werden nicht notwendigerweise die gleichen Komponenten des Bündels transferiert, das ist es, was ich meine. All die Bündel kommen zusammen und ihre Komponenten werden verteilt, aber nicht in demselben Bündel, was gleichbedeutend mit einer »Seele« wäre.

Trotzdem erinnern sich manche Menschen in ihrer gegenwärtigen Form daran, ein Bündel zwischen den vorherigen Formen gewesen zu sein.

Ja, manche Leute können das.

Sie erinnern sich nicht daran, sozusagen verteilt worden zu sein. Sie erinnern sich daran, ein Bündel zu sein, doch...

Ganz genau, Ihre Erinnerung ist verbunden mit diesem Bündel.

Gibt es eine Astralebene, vergleichbar mit der physischen Ebene, auf der man sich wieder fälschlicherweise als ein getrenntes Wesen sehen könnte?

Sicherlich könnte es eine Astralebene geben, so wie es eine physische Ebene gibt, doch alle sind im Bewußtsein. Es gibt nichts außer Bewußtsein, und wieviele Ebenen es in diesem Bewußtsein gibt, ist wirklich relativ.

Könnte man also sagen, daß solche Ebenen nicht existieren?

Solche Ebenen existieren, so wie diese Ebene existiert, auf der wir uns bewegen. Eine ähnliche Frage wurde Ramana Maharshi gestellt. Die Frage war, ob die Götter und Göttinnen in der Hindu-Mythologie real sind oder nicht. Ramana Maharshis Antwort war: »Sie sind so real wie Sie selbst.« (Gelächter)

Ich bin ein Psychologe und habe eine Menge Fast-Life-Arbeit mit Leuten gemacht, die jahrelang starke Phobien hatten. In Trance gehen sie zurück und lösen eine Erfahrung auf, und das löst die Phobie auf. Mein und ihr Konzept war immer, daß wir tatsächlich eine Erfahrung erlebt haben, die sie in der Vergangenheit hatten. Wäre es akurater zu sagen, daß sie lediglich zu der Erfahrung von jemand anderem zurückgehen?

Ja! Das ist gut möglich!

Und ihnen wurde die Erinnerung an die Erfahrung gegeben?

Ja, und sie identifizieren sich mit dieser Erinnerung.


Reinkarnation


Zeit ist eine verzwickte Sache. Wenn wir über Wiedergeburt im Sinne von unpersönlichen Tendenzen oder Samskaras innerhalb eines zeitlichen Rahmens sprechen, dann sprechen wir von Zeit in linearer Weise. Das impliziert, daß es Leben vor diesem gab, die Teile, die zusammenkamen und unsere augenblickliche, phänomenale Manifestation erschufen.
Von einem anderen Standpunkt aus betrachtet, erscheint die Manifestation spontan, und aus dieser Perspektive betrachtet, gibt es keine lineare Zeit und somit keine Dauer.


Das ist korrekt. Wenn wir also von Wiedergeburt dieser Art sprechen, dann befassen wir uns lediglich konzeptionell mit der Vielfältigkeit der Phänomene. Doch vom Standpunkt des Jnani, der nicht existiert, wird all dies hinweggefegt. Mit anderen Worten, in früheren Zeiten gab es niemals ein »Ich«, das sich selbst in ein neues »Ich« in die Gegenwart hätte projizieren könnten.

Wenn wir also die Phänomene als identifizierte Individuen diskutieren, dann können wir Anleihen bei den Phänomenen und Konzepten machen und somit von Reinkarnation reden. Von einem anderen Standpunkt betrachtet, wenn es kein »Ich« gibt, dann löst sich alles auf? Korrekt, es wird unwichtig.
Doch bis dahin spielen wir auf dem Gebiet der Phänomenalität.


Wir spielen auf dem Gebiet phänomenaler Konzeptualisierung.

Ah, danke!

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