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Wir denken oft, dass die Frage darin besteht: Gibt es Reinkarnation oder nicht, und übersehen oft, dass es viele verschiedene Reinkarnationsvorstellungen gibt.

Meines Wissens ist in den Veden der vorupanischadischen Zeit nicht von Wiedergeburt die Rede. Sie scheint sich erst zu Beginn der ersten Upanischaden herausgebildet zu haben.

Diese Sichtweise würde ich so sehen: Es gibt eine Seele, sie verkörpert sich nach Auflösung des alten Körpers wieder. Die Art der Verkörperung ist abhängig von ihren Taten.

In Teilen des Advaita Vedanta wird die Idee der Reinkarnation überhaupt abgelehnt, weil sie nicht wirklich geschieht (Kein Geborenwerden, kein Sterben) bzw. weil sich nichts individuelles verkörpert (Das erinnert ein wenig an Schopenhauers Idee, dass es der Wille ist, der sich verkörpert, manchmal wird auch gesagt, dass es das Leben ist, oder das Sein, oder das Bewusstsein, der Ursprung, der sich verkörpert oder er-schein-t)

Der Buddhismus lehnt die Idee der Existenz einer Seele ab. Es gibt nur Karma, nur Ursache und Wirkung, aber keinen Ausführenden. Das ganze ist ein unpersönlicher Prozess. Das Karma bildet dann eine neue Verkörperung. Karma wird hier auch nicht so sehr von Taten geprägt gesehen, sondern eher als alles, was sich im Bewusstsein bildet.

In beiden Systemen wird die Wiedergeburt/Weitergeburt als etwas negatives angesehen, dem man entkommen will.

Die westliche Sicht, die vorwiegend durch die Theosophen entwickelt wurde, mischt traditionelle (vorwiegend hinduistische) Sichtweisen mit dem Gedanke der Evolution. So wird der Wiedergeburtprozess zu einem Lehr- und Evolutionsprozess. Es geht um Weiterentwicklung (innerhalb des Samsara), weniger um aufgeben des Samsara, weil a) leidvoll oder b)Illusion.

Das ist alles recht grob vereinfacht, nur mal als erste Anregung gedacht. Man könnte ja später noch mehr ins Detail schaun.

Wie seht ihr das Ganze?

Ich finde, wenn man über diese Konzepte nachdenkt, stösst man auf neue Fragen:Gibt es ein Ich/Selbst/Seele? Gibt es Raum/Zeit? Gibt es Karma und wenn ja, wie funktioniert es(Da gibt es neben dem hinduistischen und buddhistischen ja auch noch ein Jain-Modell? Ist es persönlich oder unpersönlich? Gibt es freie Entscheidungen/freien Willen?

Alles Liebe
Giri

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Antworten zu dieser Diskussion

Ich denke, es ist wichtig, die verschiedenen Vorstellungen nicht durcheinander zu bringen.
Aus buddhistischer Sicht gibt es so etwas wie Seele nicht, auch niemand der handelt, niemand der wieder geboren wird. Handlungen geschehen, aber es gibt keinen Handelnden, Geburt geschieht wieder, aber es gibt niemand, der wieder geboren wird. Bewusstsein/Geist vergeht wie alles andere nach dem Tod.

Es ist auch in Buddhas Sicht nicht der Geist, der ins Nirvana eingeht (schon deshalb nicht, weil Nirvana das Verlöschen von Gier, Hass und Nichtwissen (der Nichtexistenz eines Ich, Selbst, Seele) ist, also nichts, worin man eingeht, sondern eher das Aufhören der Illusion von Ich, mein, Seele, Identität, Gott, Brahman), denn dann wär Nirvana Teil des Seins. Es ist aber weder Sein noch Nicht-Sein. Die Vereinigungen des Geistes oder der Seele mit dem vollkommenen Universum ist eben nichts, was Buddha gelehrt hat, sondern ist eher der Idee von Teilen des Hinduismus zuzuordnen, das Atman= Brahman ist, obwohl diese sicher auch auf eine Illusion der Getrenntheit hinweisen will..

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Giri
Namu Amida Butsu

Hallo Ratna,

Ein Freund von mir sagte immer: "So etwas wie Hinduismus gibt es gar nicht. Hinduismus bezeichnet alle religiösen Entwicklungen, die sich am Indus abgespielt haben." Ein Kalianhänger, ein Krishnaanhänger und ein Advaita-Anhänger sind sich in vielen Punkten ja nicht unbedingt einig. Wenn ich Cleo hier so les, dann hab ich den Eindruck, dass für einen Dvaita-Anhänger ein Advaiti so etwa das ist, wie für ein Christen der Satan.
Buddha war für mich vor allem ein Sucher nach Wahrheit, mehr als der Anhänger irgendeiner Lehre. Er hatte ein fundamentales Problem: Er erkannte, dass es Leiden des Kranksein, Alterns und Sterbens gibt und wollte einen Weg da heraus finden. Da er anscheinend keine Antworten bei den Brahmanen des Königs(oder Fürsten-)hofes seines Vaters finden konnte, schloss er sich religiösen Gegenbewegungen an (die inzwischen in den "Hinduismus" integriert sind), Bewegungen, denen Meditation wichtiger war als Ritual, und in denen wohl auch erst der Glaube an Karma und Wiedergeburt entstand, und deren Niederschlag wir in den Upanischaden finden.. (Man bedenke auch, das viele upanischadische Texte erst nach Buddha entstanden, aber auch so ein Text wie die Bhagavadgita zu Buddhas Zeit noch nicht geschrieben worden war).
Buddha hatte dann zwei upanischadische Gurus, verwirklichte ihre Lehre bis in die tiefsten Tiefen, merkte aber, dass er damit in seinem Problem keine Lösung fand. Dann versuchte er Askese bis kurz vorm Verhungern. Beide Wege brachten aber nichts.
Dann ging er seinen eigenen Pfad und erlangte Erwachen.
Und dann verwarf er viele Elemente des Brahmanismus (Rituale, Kasten etc.) und auch der upanishadischen Bewegungen (Atman, Askese) und hielt andere Inhalte (die Existenz/Nichtexistenz von Göttern) für den Weg zur Befreiung irrelevant. Andere Inhalte der upanischadischen Bewegungen formulierte er radikal um (der Ansatz in den Upanischaden des Karmas und Buddhas Sicht des bedingten Entstehens sind schon sehr verschieden, auch seine Sicht auf den Kreislauf der Geburten (Buddha sprach meist von Geburt, nicht von Wiedergeburt)).
Da ist nicht vieles, was von dem "Hinduismus" seiner Zeit bei Buddhas Lehren zu finden wäre. Viele Entwicklungen von dem, was wir jetzt Hinduismus nennen, ist außerdem Entwicklungen nach Buddha (Advaita z.B.) und sind zum Teil auch buddhistisch inspiriert (Man vergleiche einmal Shankara und Nagarjuna). Freilich gab es auch Entwicklungen in die andere Richtung: Der tibetische Buddhismus ist zum Beispiel stark vom "Hinduismus" (und vom tibetischen Bön) geprägt.

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Giri

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