Mark Rothko. Die Retrospektive
Ausstellung Hamburger Kunsthalle, Glockengießerwall (beim Hauptbahnhof),
16. Mai – 24. August 2008; Tel. 040-428 131-200, Fax: 040-428 54-3409;
www.hamburger-kunsthalle.de info@hamburger-kunsthalle.de
Es kommt immer wieder vor, dass Besucher, die in die Rothko-Ausstellung eilen, dort ein bizarres Ambiente vorfinden: Vor einem Gemälde sitzt auf dem Boden ein Mensch im Lotussitz, tief versunken in Meditation. Im Profil sieht man den leicht angehobenen Kopf. Man ahnt, der Blick ist auf das Gemälde geheftet. Man fühlt, wie ein unsichtbarer Absorbtionsfaden den Meditierenden in das Bild hineinzieht.
Mark Rothko ist für mich der Maler des Yoga, der meditativen Versenkung. Die ungeheure Kraft, die von seinen Gemälden ausgeht, wird von vielen als magisch bezeichnet. Dieser große Maler der Moderne wurde 1903 geboren und wählte im Alter von 67 Jahren den Freitod. Liest man Beschreibungen zu seiner Malerei, Erklärungen dazu von Rothko selbst, denkt man mitunter, die Rede sei von Yoga.
Rothko ist Farbe - das Sichwiegen in Farbklängen, das Spatzieren durch Farbexplosionen. Rothko ist Überschäumen, Ekstase, Erotik und die reinste Andacht, Hingabe, Liebe, die sich aussetzende Verletzlichkeit, Rothko ist alles, was mit Gefühl zu tun hat. Rothko ist auch die ausgelassenste Fröhlichkeit im Zusammen-Spielen seiner Farben. Er ist ebenfalls der Beender aller Farbe.
Wie ergeht es einem, wenn man sich in leicht schummrigem Tageslicht in die zerfließenden Farbflächen seiner großformatigen Werke hineinträumt? Wenn das Auge einer Linie lasziv verlaufener Ränder folgt, wenn es dann anhält an einer mit weichem Pinsel hingehauchten, vielleicht getupften, hell scheinenden Bordüre, deren weich gerundete Ecken das weitläufige dominierende Farbfeld umschließen. In diesem Hauptteil herrscht nur die eine reine Farbe, leicht bis heftig pulsierend zwischen dünnerem und dickerem Farbauftrag, der eben nicht ebenmäßig ist, sondern auf subtile Weise ungleichmäßig-wolkig und bewegt zu sein scheint. Unwillkürlich fällt einem Sivanandas Ausspruch ein: Alles lebt. Durch die Lasur hindurch raunt die darunterliegende Farbschicht. Sie behält ihr Geheimnis für sich.
Rothkos typische Malerei wird meist als abstrakter Expressionismus eingeordnet; er selbst lehnt den Begriff ‚abstrakt’ für seine Malerei strikt ab. Er versteht sich als ein Maler von Emotionen. Sehr gefühlvoll, dass die Hamburger Kunsthalle der Ausstellung seiner Bilder auch Werke von Caspar David Friedrich beigefügt hat, dem ebenfalls der Gehalt eines Bildes darin bestand, ein bestimmtes Gefühl, eine bestimmte Stimmung abzubilden.
(Evtl. mehr. Abbildungen am besten in größtmöglicher Ansicht betrachten!)