yogapad.de | Yoga - Community - Forum - Kurse - Lehrer - Übungen

Der Narr , Nachzählungen aus Khalil Gibran von Yogi Nils.

Das Auge sagte: "Ich sehe hinter diesem Tal im blauen Dunst einen wunderschönen Berg." Das Ohr lauschte und sprach: "Ich höre keinen Berg." Die Hand meinte: "Ich fühle keinen Berg." Die Nase erklärte: "Ich rieche keinen Berg." Das Ohr, die Hand und die Nase kamen nach gründlicher Besprechung zu dem Ergebnis, dass es keinen Berg gibt. Sie behauptet felsenfest: "Das Auge ist verrückt."

Aber das Auge blieb bei seiner Weisheit und ging zum Berg hin. Es meditierte auf dem Berggipfel und verwirklichte das innere Glück. Da konnten auch das Ohr den Berg innerlich hören, die Hand den Berg spüren und die Nase den Duft Gottes in der Welt riechen.

Die Sorge
-------------

Ich liebte meine Sorgen.
Wir sprachen viel miteinander und die Zeit verging im Flug.
Meine Mitmenschen lobten meine Weisheit.
Ich war wie sie und konnte ihnen gut helfen.

Eines Tages verließen mich meine Sorgen.
Ich lebte dauerhaft im Licht und in Gott.
Da verstanden mich meine Mitmenschen nicht mehr.
Sie begriffen nicht meinen göttlichen Gleichmut.

Was sollte ich tun, wenn ich meinen Freunden gut helfen
und gleichzeitig mein inneres Glück bewahren wollte?
Ich lebte von nun an in zwei Welten,
manchmal im Licht und manchmal in der Sorgenwelt.

Die Sehnsucht
------------------

Hier sitze ich am großen Meer.
Hinter mir ragt ein Berg in den Himmel.
Um mich herum ist die Einsamkeit eines Yogis.
Und die Sehnsucht nach einer Partnerin.

Aber keine Frau kann mich verführen.
Ich liebe die göttliche Leere in mir.
Ich bin verheiratet mit dem Nichts.
Ich opfer meine Wünsche und das Glück tritt hervor.

Das Opfer der Liebe
-------------------------

Ich rief zu den Menschen: "Kreuzigt mich."
Doch sie wollten mein Opfer der Liebe nicht.
Aber sie mussten mich töten.
Ohne das Opfer wäre ich nicht ins Licht gelangt.

Jeden Tag erbringe ich mein Opfer.
Ich opfer mein Ego für das Glück der Welt.
So wachse ich weiter in der Liebe.
Ich werde in immer größere Himmel aufsteigen.

Das Leid
-----------

Die Welt hat tausend Gesichter.
Sie hat schöne Gesichter.
Und sie hat häßliche Gesichter.
Ich durchschaue alle Gesichter.

Hinter der Freude und hinter dem Leid
erblicke ich das Licht.
Freude und Leid sind für mich
gleichwertige Wege ins tiefe Glück.

Der Narr
-----------

Ich erwachte aus meinem Schlaf und stellte fest, dass mir meine Masken gestohlen worden waren. Unmaskiert lief ich durch die Welt. Viele Menschen fürchteten sich vor mir. Einige lachten über mich. Ein kleiner Junge rief: "Du bist ein Narr!" Da begriff ich mein wahres Ich. Das innere Licht ging auf und die Sonne küsste mich. Sie tauchte mich ganz in ihr Licht ein. Ich freute mich, dass ich ein Narr geworden war. Verrückt tanzte ich glücklich durch das Leben.

Der Atheist
--------------

Ein Atheist und ein Theist stritten über Gott. Eines Tages erfuhren beide Gott. Danach glaubte der Atheist an Gott und der Theist glaubte nicht mehr an Gott. Beide lachten schallend, wie dumm sie früher gewesen waren.

Der Grashalm
------------------

Der Grashalm sagte, er wäre gerne ein Blatt im Wind. Das Blatt im Wind meinte, es wäre gerne ein Grashalm auf der Erde. Da lachte die Sonne, weil die beiden so dumm waren.

Der Blinde
-------------

Ein Blinder und ein Sehender diskutierten darüber, wer von ihnen der Weiseste ist. Der Sehende sprach, ich kann die alles auf der Erde sehen und kenne die ganze Welt. Der Blinde antwortete, ich kann mein Inneres spüren und kenne mich selbst.

Der Tod
-----------

Der Totengräber sagte zum Narren: "Von allen Menschen bist du mir am liebsten. Alle weinen immerzu. Du kommst lachend und gehst lachend."

Die Freude
---------------

Vor einiger Zeit entdeckte ich ein neues Vergnügen. Da erschienen mir ein Teufel und ein Engel. Der Teufel freute sich mit mir und jubelte: "Welch ein Glück." Der Engel weinte und sprach: "Was für ein Unglück." Ich antwortete ihnen: " Alles auf der Erde hat zwei Seiten. Der Weise lebt die Genüsse im richtigen Moment und im richtigen Maß. So wächst er daran ins Licht und übersteigt Engel und Teufel."

Der Fuchs
-------------

Morgens sprach der Fuchs: "Heute werde ich ein Kamel fangen." Einen halben Tag lang mühte er sich ab, um nach dem Wind zu haschen. Als es Mittag wurde, meinte er: "Eine Maus wird auch genügen." Gott lachte über den Fuchs: "Wer sofort nach dem Richtigen sucht, spart sich viel Arbeit. Sei äußerlich bescheiden und innerlich reich."

Die beiden Eremiten
--------------------------

Auf einem Berg in der Wüste lebten zwei Eremiten. Sie verehrten Gott und gingen den Weg der umfassenden Liebe. Sie waren gut zu allen Wesen auf der Welt. Äußerlich praktizierten sie den Weg der Armut. Sie besaßen nur eine einzige Eßschale, die sie gemeinsam benutzten. Eines Tages meinte der eine Yogi zu dem anderen: "Ich will die Schale für mich alleine haben." Der andere Yogi antwortete voller Liebe: "Nimm sie. Ich gebe dir gerne alles was ich habe." Da wurde der erste Yogi wütend und schrie: "Kannst du nicht einmal mit mir streiten. Du verdrängst deine Wut. So kommt du nie zu Gott." Da schlug der zweite Yogi dem ersten kräftig ins Gesicht und beide waren zufrieden. Von da an aßen sie wieder friedlich aus derselben Schale. Und Gott freute sich über ihren Streit und schenkte ihnen das ewige Leben im Licht.

Die Vogelscheuche
-----------------------

Auf dem Feld stand eine Vogelscheuche. Viele Jahre verscheuchte sie fleißig alle Vögel. Dann erfand sie eine neue Übung. Die Vögel durften kommen und gehen wie sie wollten. Aber auch damit war die Vogelscheuche nicht zufrieden. Es wuchs kein Korn mehr auf dem Acker und die Vogelscheuche hatte nichts zu essen. Deswegen praktizierte sie als Drittes den mittleren Weg. Etwas verscheuchte sie die Vögel und etwas ließ sie die Vögel gewähren. Die Vögel freundeten sich mit ihr an. Sie nisteten im Hut der Vogelscheuche und störten sie nicht mehr bei ihrer Yogaübung. Und die Sonne begann zu scheinen und hüllte das ganze Land in Licht.

Die sieben Ich
------------------

In der Meditation traf ich auf meine sieben Ich. Ich begegnete meiner Sorge, meiner Freude, meiner Liebe, meiner Wut, meinem Denken, dem ewigen Arbeiten und dem ewigen Nichtstun. Alle beklagten sich über ihr Schicksal. Am meisten beklagte sich das Nichtstun darüber, dass es keine Ziele und keine Aufgabe hatte.

Nach und nach schliefen die ersten sechs Ichs ein. Nur das Nichtstun blieb wach und starrte in das Nichts, das hinter allen Dingen ist. Es opferte sich in das ewige Sein und gelangte so ins Glück. Nun lebt es dauerhaft im Glück, in Gott und im Sein. Es kann nach Belieben die anderen sechs Ichs wecken und zum Wohle aller Wesen in der Welt handeln. Solange es das Leben in Gott nicht vergißt, bleibt auch das Glück in ihm.

Der Reiche
---------------

Es war einmal ein Mann, der besaß das Wissen vom dauerhaften Glück. Da kam eine arme Frau und bat ihm ihr ein Stück davon abzugeben. Der Reiche lobte das Wissen in hohen Tönen. Aber er gab ihr nichts davon ab. Ihm fehlte noch das Wissen, dass das innere Glück sich beim Weiterschenken verdoppelt.

Gott
-------

Ich sprach zu Gott: "Ich bin dein Diener." Aber Gott antwortete nicht. Ich erklärte Gott, dass ich sein Sohn bin. Gott schwieg weiterhin. Ich raffte allen meinen Mut zusammen und schrie: "Du und ich sind eins." Da füllte Gott mich mit Licht und wir wurden eins. Und als ich in die Welt der Menschen ging, war Gott auch dort.

Der Prophet
----------------

Ich bin kein Prophet. Ich habe nichts zu sagen. Ich bin nur ein Narr. Ich erzähle nur Witze. Ich lebe mein verrücktes Leben und bringe die Menschen dadurch zum Lachen.

Wenn ein normaler Mensch von der Weisheit hört, lacht er darüber. Wenn er nicht aus der Tiefe seiner Dummheit darüber lacht, ist es nicht die wirkliche Weisheit. Wenn ein Halbweiser von der Weisheit hört, ist er zuerst begeistert, dann übt er sie und dann verliert er sie wieder. Wenn ein Mensch mit echter Weisheit und klarem Verstand vom großen Wissen hört, setzt er es konsequent um und verwirklicht es.

Wer klug ist, lebt weise. Wer weise ist, verwirklicht das innere Glück. Wer das innere Glück verwirklicht hat, bringt ewig das Licht und die Liebe in die Welt. Erst wenn es keine Narren mehr gibt, gibt es nichts mehr zu lachen.

DIESER BEITRAG WURDE BISLANG 88x ANGESCHAUT

Antworten auf diese Diskussion

Es heißt natürlich "Nacherzählungen". Gott schütze mich vor meinen Rechtschreibfehlern.

Yogi Nils **(:-))**

RSS

Was passiert gerade?

Profil BildUnserma, Raimund Ochs und Saskia Schmitz sind jetzt Mitglieder von yogapad.de | Yoga - Community - Forum - Kurse - Lehrer - Übungen
Vor 1 Stunde
Blog-Beiträge von Sivananda-Inspirationen
Vor 4 Stunden
Tanja hat das Profil aktualisiert.
Vor 13 Stunden
Bettina Doering gefällt das Profil von Sivananda-Inspirationen.
Vor 13 Stunden
Bettina Doering hat das Profil aktualisiert.
Vor 14 Stunden
Cordula gefällt die Diskussion Ashram in Deutschland (außer Yoga Vidya)? von Stefan Adinath.
Vor 18 Stunden
Cordula antwortete auf die Diskussion 'Kollektive Darmentleerung in der Dusche'
gestern
Sabine Sternberg hat das Profil aktualisiert.
gestern

© 2012   Copyright howtobegood | Tipps der Redaktion: Yoga-Forum | Yoga-Kurse | Yoga-Magazin | Vegetarier-Forum | Werbeagentur Münster

Badges  |  Problem melden  |  Nutzungsbedingungen